07.05.2014 um 18:00

Fabian Frenzel

Protest Camps - Architekturen der Rebellion

Maidan, Gezi, Zucotti Park, Puerto del Sol, Syntagma Square: Spätestens seit der ägyptischen Revolution 2011, die von einem Protest Camp auf dem Tahrir Square in Cairo ihren Ausgang nahm, sind diese zu einem festen Bestandteil von politischem Protest und Demokratiebewegungen weltweit geworden. Doch gibt es in so unterschiedlichen politischen und sozialen Kontexten Gemeinsamkeiten jenseits von Form und Namen? Was sind die Verbindungen, und warum ist diese Protestform in den letzten Jahren so populär und wirkungsmächtig geworden? Warum hat trotz neuer Medien und zunehmender elektronischer Vernetzung die Versammlung von Menschen, das gemeinsame Leben, Agieren, Diskutieren an einem bestimmten Ort eine solche politische Bedeutung und Schlagkraft? Dr. Frenzel ist Marie Curie Fellow an der Universität Potsdam, Dozent für Organisationssoziologie an der Universität Leicester, UK und Co-Autor von ´Protest Camps´ (2013, Zed Books), in dem er Ursprüngen und Geschichte der Camps nachgeht. Dabei zeigen sich Verbindungen, durch die sich die Form über die Jahre verbreitet hat. Im Zentrum der Analyse steht eine Diskussion von Infrastrukturen und politischer Architektur. Protest Camps sind Orte, in denen politische Organisation sowohl als demokratische Versammlung zur Aushandlung von Interessen als auch als gelebte Gemeinschaft kollektiver sozialer Reproduktion im Raum erfahrbar wird und als formbar, veränderbar wahrgenommen werden kann. Ihre nomadische textile Architektur, die einer Dezentralisierung von Macht und flachen Hierarchien dient, fungiert als Kontrapunkt zur politischen Architektur des Staates. Protest Camps werden damit potentiell zu radikalen Alternativen zum status quo, dessen Infragestellung und Aufhebung nicht mehr nur gedacht sondern auch gespürt werden kann.