Honorarprofessur Schutztechnik

Im Rahmen des Lehrauftrages Schutztechnik wird Studenten der elektrischen Energietechnik, aber auch anderer Studienschwerpunkte die Gelegenheit gegeben, ihre Kenntnisse auf dem Gebiet des Schutzes elektrischer Übertragungs- und Verteilungsnetze zu vertiefen. Die Blockvorlesung im Wintersemester umfasst die folgenden Themengebiete:

  • Basisanforderungen: Selektivität, Redundanz, Genauigkeit, Geschwindigkeit
  • Schutzprinzipen: Überstromzeitschutz, Distanzschutz, Differentialschutz sowie weitere Prinzipen
  • Einfluss der Netzstrukturen auf die Schutzkonzepte
  • Algorithmen zur digitalen Erfassung von Strom- und Spannungsamplituden sowie von Impedanzen
  • Schutzkonzepte für Leitungen, Transformatoren, Sammelschienen und Maschinen einschließlich der technischen Realisierung
  • Einfluss der Netzsternpunktbehandlung auf die Schutzkonzepte
  • Prinzipien zur selektiven Einstellung von Schutzgeräten
  • Hardwareanforderungen
  • Kommunikation in Schaltanlagen

Diese Themen spannen einen Bogen von der traditionellen Energietechnik, die beispielsweise Kurzschlussvorgänge mit symmetrischen Komponenten berechnet, über Algorithmen digitaler Messtechnik inklusive hardwaremäßiger Realisierung bis hin zu Kommunikationslösungen zur Anwendung im Bereich von Schaltanlagen. Die Schutztechnik elektrischer Netze wird damit sowohl aus Herstellersicht (Algorithmen, Messtechnik) wie auch aus Anwendersicht (Schutzkonzepte, Einstellung von Schutzgeräten) beleuchtet.

Im Sommersemester werden diese Themen in Workshopform vertieft. Hier steht die Anwendersicht im Vordergrund. Es werden Schutzkonzepte für spezielle Netzsituationen betrachtet und es wird intensiv auf die Berechnung der Schutzeinstellungen („Staffelplanerstellung“) eingegangen. Obwohl sich die Grundprinzipien der Schutztechnik in den vergangenen Jahrzehnten nicht wesentlich verändert haben, wird eine netzweite optimale Einstellung der Schutzgeräte zunehmend schwieriger, aber auch wichtiger: Einspeisungen regenerativer Energien sowie intensiver Energiehandel führen dazu, dass die Netze nicht immer unter den Bedingungen betrieben werden, für die sie geplant wurden, und dass sie näher am Limit betrieben werden. Dies erfordert innovative Lösungen bei der Schutztechnik.

Beide Veranstaltungen gehören zum Studienangebot für den englischsprachigen Masterstudiengang und finden deshalb in englischer Sprache statt.

Lehrbeauftragter für dieses Gebiet ist Herr Prof. Dr.-Ing. Siegfried Lemmer, Siemens AG Nürnberg. Herr Prof. Lemmer hat als Leiter des Produktmanagements Schutztechnik der Siemens AG und als Mitglied nationaler und internationaler Gremien langjährige Erfahrung  in seinem Gebiet. Er ist damit in der Lage, dieses Fachgebiet theoretisch fundiert und praxisnah zu vermitteln.

Prof. Dr.-Ing. S. Lemmer
 

 

 

 

Abb. 1: Schutztechnik-Labor