Viva la Reducción !

Die Zeiten sind prekär, das Land Brandenburg muss sparen. Dies ist in allen öffentlichen Belangen erklärtes Haushaltsziel. Auch die Bereiche der Bildung leiden angesichts leerer Kassen unter Kürzungen. Seit Jahren wird deshalb auf unterschiedlichen Ebenen versucht, dieser Herausforderung zu begegnen, jedoch ohne dass es zu einer einvernehmlichen und tragfähigen Lösung gekommen wäre.

Versuche von Professoren und Mittelbau der Fakultät 2 der BTU, ein langfristiges Konzept für die Perspektive der Universität mit der Universitätsleitung zu entwickeln, werden seit Jahren ignoriert. Stattdessen sehen sich Lehrstühle und Mitarbeiter mit einer intransparenten und kurzsichtigen Hochschulplanung konfrontiert.

In mittlerweile verlässlicher Regelmäßigkeit wird in den letzten Jahren vor allem der befristet beschäftigte akademische Mittelbau durch die Hochschulleitung als Verfügungsmasse zur Konsolidierung des maroden Haushaltes gesehen, ohne an den „fixen“ Kosten der festangestellten Verwaltungsmitarbeiter, Professoren und Gebäudekosten zu rütteln.

Die in Architektur und Stadtplanung zur Ausbildung notwendige spezifische Form des Projektstudiums wird vor allem durch den akademischen Mittelbau getragen. Der hierbei erhöhte personelle Aufwand stellt angesichts der guten Ergebnisse in Reputation und Rangliste ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für unsere Studiengänge in der strukturschwachen Region dar.
In den letzten Jahren führte der durch die Hochschulleitung ausdrücklich gewünschte Aufwuchs unserer Studierendenzahlen zu einer rechnerischen Belastung unseres Lehrpersonals von durchschnittlich 150% - 200% gegenüber den vertraglich festgeschrieben Werten. Mit dieser Auslastung ist eine seriöse Lehre nicht mehr möglich; eine begleitende Forschungstätigkeit ausgeschlossen.

Zudem sehen sich die Mitarbeiter mit immer unsicheren Arbeitsbedingungen konfrontiert. Erst letzte Woche verfügten beispielsweise unsere Dienstherren die drastische Kürzung der Mitarbeitergehälter mit voller Stelle um 25 % Prozent bei gleichbleibender Lehrauslastung, ohne sich genötigt zu sehen, das Gespräch mit Lehrstuhlinhabern und Mitarbeitern zu suchen. Entsprechende Verträge wurden in letzter Minute unkommentiert zur Unterschrift vorgelegt. Dieses Vorgehen sollte dem Einzelnen offenbar keine Wahl lassen. Ein derartiges Vorgehen wird von uns als Erpressung empfunden.

Inakzeptabel hierbei ist nicht nur die Kurzfristigkeit sondern vor allem die nahezu frühkapitalistisch anmutende Art und Weise im Umgang mit Lehrstuhlinhabern und Mitarbeitern. Statt einer offenen Diskussion über die Zukunft der Hochschullandschaft, statt eines konstruktiven Diskurses über die langfristigen Perspektiven und Strategien zur Umsetzung der ehrgeizigen Sparziele, wird hier in Gutsherrenart versucht, nach den Rasenmäherprinzip zu kürzen.

Das vertraglich verbriefte Anrecht der Studierenden auf die erfolgreiche Form des Projektstudiums kann unter diesen Bedingungen nicht weiter garantiert werden. Verwaltet wird zunehmend der Mangel. Bildung - in Sonntagsreden vollmundig als wichtigste Ressource für die Zukunftsfähigkeit des Landes proklamiert - wird abgewickelt. Eine visionäre, vor allem langfristige gedachte Bildungspolitik sieht anders aus.

Durch solche Maßnahmen sinkt die Attraktivität der BTU Cottbus als Arbeitsgeber drastisch. Personal wandert heute schon ab, Stellen sind nicht mehr adäquat zu besetzen. Zentrale Indikatoren wie die Lehrqualität und die Publikations- und Promotionsquote leiden unter diesen Rahmenbedingungen empfindlich.

Wir fordern daher die Hochschulleitung auf, die getroffenen Maßnahmen zurückzunehmen und ihre finanzwirtschaftlichen Entscheidungen nicht planlos auf den Mittelbau abzuwälzen.

Wir fordern eine respektvolle und transparente Personalpolitik für alle Lehrstühle und Mitarbeiter, die die Planung einer Forschungskarriere an der Universität ermöglicht.

Und wir fordern das Land Brandenburg auf, ein Konzept mit den Hochschulen zu entwickeln, wie angesichts sinkender finanzieller Mittel den dann noch gewünschten Bildungseinrichtungen des Landes eine langfristige Planungssicherheit gegeben werden kann. Zur Mitarbeit an einem solchen Konzept sind wir jederzeit gerne bereit.