Langjährige Erfahrungen mit Verpressankern und Bodennägeln - Konsequenzen und Schlussfolgerungen

Seit dem ersten Einsatz von Verpressankern im Jahr 1958 (bei der Baugrube für das Gebäude des Bayerischen Rundfunks in München, Ternporäranker) sind über 45 Jahre vergangen. In dieser Zeit wurde in Deutschland eine große Anzahl von Verankerungen hergestellt. Die ersten Daueranker kamen seit dem Ende der 1960er-Jahre zum Einsatz. Nach einer Schätzung auf der Grundlage von Eignungsprüfungen an Dauerankern, die von der Forschungs- und Materialprüfungsanstalt (FMPA) Baden-Württemberg und der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus in den letzten beiden Jahrzehnten betreut wurden, dürften inzwischen nahezu 500 000 Daueranker in Deutschland eingebaut worden sein. Viele bedeutende Bauvorhaben der letzten Jahrzehnte hätten ohne den Einsatz von Verpressankern nicht oder nur mit sehr großen zusätzlichen Aufwendungen realisiert werden können. Anker haben ihren festen Platz in dem Verfahrenskatalog des Spezialtiefbaus, und sie haben sich als sichere, kostengünstige und gut handhabbare Konstruktionselemente bewährt.
Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) regelt den Einsatz von Dauerankern über die Erteilung von allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen und stellt damit sicher, dass alle erforderlichen Vorkehrungen für die Dauerhaftigkeit der Anker, insbesondere unter dem Gesichtspunkt des Korrosionsschutzes, bereits bei der Konstruktion, der Herstellung und dem Einbau getroffen werden. Die Nutzungsdauer der Anker veranschlagt man ( ähnlich wie die von Betonbauwerken, zum Beispiel Brücken und Tunnel) mit rund 80 bis 100 Jahren.
Anders als „sichtbare" Bauwerke oder Bauteile entziehen sich Anker nach ihrer Fertigstellung aber einer vollständigen optischen Kontrolle ihres Zustands. Manchmal werden die Ankerköpfe einbetoniert, oder sie sind aus anderen Gründen irgendwann nicht mehr ohne weiteres zugänglich. Eine regelmäßige Kontrolle des Zustands der sichtbaren Ankerteile oder der Ankerkräfte findet nur in Ausnahmefällen statt. Da die meisten Daueranker das Ende ihrer Einsatzzeit noch längst nicht erreicht haben und es keine allgemein verbindlichen Regeln für die Oberprüfungvon Verankerungen gibt, wurde im Auftrag des DIBt eine Studie zum Zustand von Dauerverankerungen und ihrer Behandlung im Alltag der Bauverwaltungen erarbeitet. Die Studie sollte zum einen eine Art Bestandsaufnahme sein und zum anderen auch mögliche Verbesserungen bei der Konstruktion von Dauerankern aufzeigen.
Es wurden die Verankerungen von fünfzehn Bauwerken auf ihren Zustand untersucht. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden in diesem Bericht zusammengefasst dargelegt. Der vollständige Forschungsbericht kann vom Lehrstuhl für Bodenmechanikund Grundbau der BTU Cottbus bezogen werden. Außerdem werden Erfahrungen aus der Baustellenpraxis mitgeteilt.

Lutz Wichter
Wolfgang Meiniger

geotechnik 29 (2006) Nr. 1