Laufende Forschungsprojekte im Überblick
- "Klee und die Entartete Kunst" in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle "Entartete Kunst" (Droste)
- Wissenschaftliche Edition der Korrespondenz zwischen Oskar Schlemmer (1888-1943) und Otto Meyer-Amden (1885-1933) aus den Jahren 1909-1932 (Droste)
- "Allerlei Akademistinnen". Ein Beitrag zur Männlichkeitsgeschichte der deutschsprachigen Akademien vom späten 18. bis zum frühen 19. Jahrhundert (Habilitationsvorhaben Muysers)
- Habilitationsvorhaben (Göckede)
- DFG-Projekt "Neues Bauen in der Fremde: Wege, Wandel und Wirken der Weimarer Architekturmoderne unter den Bedingungen des Exils" (Göckede)
"Klee und die Entartete Kunst" in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle "Entartete Kunst"
Arbeitstitel/Thema: "Klee als Professor am Bauhaus Dessau und an der Kunstakademie Düsseldorf."
Hierbei handelt es sich um eine lose Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle "Entartete Kunst" am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin sowie dem Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg.
Die Ergebnisse erscheinen als Publikation im Akademie-Verlag.
Ansprechpartnerin Prof. Dr. Magdalena Droste
Wissenschaftliche Edition der Korrespondenz zwischen Oskar Schlemmer (1888-1943) und Otto Meyer-Amden (1885-1933) aus den Jahren 1909-1932
Ziel ist die Erschließung und Publikation der Korrespondenz zwischen Oskar Schlemmer und Otto Meyer-Amden, die die beiden Künstler zwischen 1909 und 1932 führten. Die Künstler hatten sich an der Stuttgarter Akademie kennen gelernt und sahen in Adolf Hölzel ihren wichtigsten Lehrer. Die regelmäßige Korrespondenz (erste Briefe 1909) begann, nachdem Otto Meyer 1912 aus wirtschaftlichen Gründen nach Amden in die Schweiz zog und endete erst mit dessen Tod 1933.
Von beiden Seiten wurde sie mit nie nachlassender Intensität geführt, viele Briefe sind mehrere Seiten lang, der Briefwechsel erfolgte monatlich und teilweise sogar häufiger.
Diese Korrespondenz ist nur in Bruchteilen publiziert, die keinen Eindruck von der Komplexität und Bedeutung dieses Briefwechsels vermitteln, der als ein in sich geschlossenes Corpus anzusehen ist. Beide Künstler betrachteten den Briefwechsel als „geheim“, niemand sonst sollte die Briefe lesen.
Die Erschließung und Publikation soll unter vier Fragestellungen erfolgen, die sich bei der vorläufigen Einsichtnahme abgezeichnet haben:
- Über 20 Jahre lang führten beide einen Diskurs über „Kreativitätsstrategien“, womit hier die Disposition zu künstlerischer Produktion bezeichnet wird. Meyer und Schlemmer definierten sich einerseits als polar, andererseits fühlten sie sich tief verwandt. Meyer praktizierte schon in Stuttgart kreative Strategien, die er in Umkehrung der Hölzelschen Lehre vom „Primat der bildnerischen Mittel“ entwickelt hatte. Er setzte teilweise seine eigene Körperlichkeit an den Beginn des kreativen Prozesses und kultivierte sein Vorstellungsvermögen, während Schlemmer bei diesen Verfahren mit sich selbst in Konflikt geriet.
- Damit in Zusammenhang steht das künstlerische Menschenideal, die sich bei beiden zwischen Abstraktion und Körperlichkeit bewegte. Gerade deshalb konnte es zum Thema des Briefwechsels werden. Schlemmers Entscheidung für das Thema „Der Mensch“ vollzog sich offenbar in enger Auseinandersetzung mit Meyer-Amden.
- Als weitere Fragestellung soll die unterschiedliche Positionierung beider Künstler in der avantgardistischen Kunstszene der Weimarer Republik analysiert werden. Während Schlemmer zu einem repräsentativen Künstler seiner Zeit werden wollte, begnügte sich Meyer-Amden mit der Rolle, Mittelpunkt eines kleinen Kreises zu sein. Beide profitierten von den unterschiedlichen Netzwerken, denen der jeweils andere angehörte.
- Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass der noch unerschlossene Briefwechsel für beide Künstler eine Einbindung in die Fragestellung „Avantgarde und Esoterik“ ermöglichen wird. Auch die Beschäftigung mit Zahlen, deren Harmonien und ihre Relation zu angenommenen geistigen oder pseudowissenschaftlichen Welten („Viereck und Kosmos“) verband beide Künstler, die sich über entsprechende Autoren austauschten.
Die wissenschaftliche Edition des Briefwechsels wird nicht nur einen Blick in die schöpferische Intimsphäre der beiden Künstler ermöglichen, sondern auch ihre Deutung im Spektrum ihrer Zeit verändern.
Ansprechpartnerin Prof. Dr. Magdalena Droste
"Allerlei Akademistinnen". Ein Beitrag zur Männlichkeitsgeschichte der deutschsprachigen Akademien vom späten 18. bis zum frühen 19. Jahrhundert (Habilitationsvorhaben)
Die Arbeit basiert auf ausgiebigen Recherchen nach Künstlerinnen in den Akademien in Berlin, Breslau, Dresden, Düsseldorf, Kassel, Karlsruhe, Königsberg, München, Stuttgart und Weimar. Für den Zeitraum vom späten 18. Jahrhundert bis zur offiziellen Zulassung von Frauen 1919/20 konnten 800 Studentinnen, 40 Stipendiatinnen, zehn Dozentinnen und Professorinnen sowie 50 akademische Mitglieder ermittelt werden.
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, warum die Künstlerinnen trotz des offiziellen Zulassungsverbots für Frauen Eingang in die Akademien fanden. Dabei geht es um die Motivationen und Ambitionen der Kunstprofessoren und -dozenten, Frauen anzunehmen, also um das, was die „Rückseite“ des Etiketts der Kunstakademien, als „von Männern für Männer“, ausmachte. Sie bediente ein breites Spektrum von der Etablierung einer neuen Kunstrichtung, über die Erschließung einer neuen Kunstklientel, den Aufbau und die Sicherung eines neuen Ausbildungskonzeptes, die Durchsetzung eines bestimmten akademischen Stils bis hin zur Bildung eines bestimmten Akademieprofils. Das Verhältnis der Akademien zu den Künstlerinnen versteht sich als Diskurs, der die Kunsthochschulen den Weg in die Moderne wies.
Das Vorhaben wurde von 2002 bis 2004 mit Mittel der DFG finanziert (Leiterin: Dr. cand. habil. Carola Muysers, Assistentin: Dr. Astrid Reuter).
Ansprechpartnerin Dr. Carola Muysers
DFG-Projekt "Neues Bauen in der Fremde: Wege, Wandel und Wirken der Weimarer Architekturmoderne unter den Bedingungen des Exils"

- Im Archiv des DAM in Frankfurt
Im Zentrum des seit Herbst 2008 laufenden Forschungsprojektes steht ein vergleichender Blick auf die facettenreiche Transformation der Weimarer Architekturmoderne unter den Bedingungen von Flucht und Emigration.
Die Studie gibt einen Überblick zu den wechselvollen Lebens- und Werkgeschichten jener Akteure, deren personell-institutionelles Netzwerk 1933 unwiderruflich zerbricht, die aber in den folgenden Jahrzehnten verstreut in alle Welt entscheidenden Anteil an den theoretischen Debatten und gebauten Manifestationen der sich globalisierenden Architekturmoderne erhalten. Erstmals werden ausgehend vom aktuellen Stand der internationalen Exilforschung sowie auf Grundlage einer netzwerktheoretisch generierten Architektenauswahl die bislang isolierten Einzelmonographien und auf einzelne Zufluchtsorte ausgerichteten Länderstudien systematisch ausgewertet und ergänzt um neu erschlossene Archivquellen zu einer konzeptionell geordneten Darstellung zusammengefasst.
Im Unterschied zu früheren, enzyklopädisch ausgerichteten Forschungsbemühungen wird eine begründete Auswahl von exilierten Architekten des Neuen Bauens generiert, die das spezifische Weimarer Netzwerk zum Ausgangpunkt wählt und die historische Zugehörigkeit zu diesem Personenkreis zum entscheidenden Kriterium erhebt. Vor diesem gemeinsamen Hintergrund werden die Protagonisten in die ›Fremde‹ begleitet und ihre Werkgenesen nachgezeichnet. Damit ist es möglich, gezielt nach dem Fortwirken alter Gruppenverbindungen, nach dem Verlust eben dieser Kontakte oder aber nach der Neuformation von Netzwerkkonfigurationen zu fragen. Die gewählte Perspektive erlaubt endlich auch jene Architekten des Neuen Bauens in einen historiographischen Gesamtzusammenhang zu stellen, deren Exilwerke in den vorherrschenden Repräsentationsmustern als vermeintlich isolierte Einzelphänomene marginalisiert werden. Neben einer Auswertung der Sekundärliteratur werden die Biographien und Exilwerke der Architekten quellenkundlich aufbereitet, um damit die in der Fremde entstandenen Bauten, Projekte und theoretischen Schriften auf neue Weise umfassend zu kontextualisieren.
Die Forschungsergebnisse werden in Form eines Text-Bild-Bandes publiziert, der deutlich mehr als den Charakter eines biographischen Handbuches erhält. Ein umfassender Essay wird ebenso rezeptionskritisch wie methodologisch in das Thema einführen. Auf den nach Architekten geordneten Hauptteil folgt ein ausführliches Resümee, das jenseits von autonom-stilgeschichtlichen Werkplatzierungen und über die herkömmlichen Entwürfe homogener Stilbewegungen hinaus das theoretisch-inhaltliche Spektrum möglicher zukünftiger Forschungsbemühungen skizziert. Damit wird gleichsam ein erster Schritt in Richtung einer komparativen Wirkungsgeschichte der exilierten Weimarer Architekturmoderne getan.
Die Studie demonstriert, dass das Neue Bauen in der Fremde nicht nur von den Kontinuitäten einer gemeinsamen Herkunft gekennzeichnet ist, sondern durch die fortschreitende Entfremdung von eben diesem nationalen Entstehungsrahmen determiniert wird. Das Forschungsprojekt erkennt die Kontinuität des Wandels als ein Grundmuster architektonischen Schaffens im Zeitalter von kultureller Dislozierung und Globalisierung an.
Beteiligte Wissenschaftlerinnen Dr. Regina Göckede und
Dr. Gabriele D. Grawe
Ehemalige studentische Hilfskräfte im Projekt Anna Victoria Rödde und Maria Neumeier


