Stadt- und Regionalbahn Beelitz

1 Aufgabenstellung und Abgrenzung

In den Diskussionen um die zukünftige Schienenanbindung von Beelitz gibt es mehrere Lösungsansätze, die sich in Bezug auf die Linienführung (vor allem: Frage der Berücksichtigung der bestehenden Strecke nach Beelitz Stadt – Treuenbrietzen) sowie bezüglich verkehrlicher und betrieblicher Aspekte (Frage der Betriebsform: klassischer Eisenbahnbetrieb nach EBO oder straßenbahnähnlicher Betrieb auf der Grundlage der BO Strab) unterscheiden. Einer der diskutierten Ansätze basiert auf der Entwidmung der bestehenden Strecke nach Beelitz Stadt und dem Neubau einer Schienenverbindung zwischen der Beelitzer Innenstadt und dem Orts­teil Beelitz Heilstätten, wo der Anschluss an die Wetzlarer Bahn (Berlin – Dessau / Halle) möglich wäre.

Aufgabe der Studie war es, in einem ersten Schritt die Machbarkeit dieser Neubauvariante in Hinblick auf verkehrliche, betriebliche, bautechnische und finanzielle Aspekte zu untersuchen.

Großräumliche Lage
Vision
 

2 Arbeitsschritte

Die Variantenuntersuchung umfasste dabei die folgenden Arbeitsschritte:

  • Bestandserfassung und -analyse
  • Erfassung und Analyse künftiger Entwicklungen
  • Betriebstechnologie
  • Betriebskonzept
  • Bauliche und technische Infrastruktur
  • Trassierung und Spurplangestaltung
  • Lage und Konzeption von Haltepunkten
  • Detailuntersuchung städtebaulicher Zwangspunkte
  • Betriebstechnologie (Betriebsform und Fahrzeit)
  • Sicherungstechnik
  • Variantenauswahl
  • Variantenbewertung
  • Infrastrukturkosten

3 Variantenauswahl

In einem ersten Arbeitsschritt wurden die folgenden, grundsätzlich denkbaren Trassierungsalternativen - differenziert in die Bereiche Heilstätten und Westvorstadt / Innenstadt (zwischen westlichem Siedlungsrand und Post) - ausgewählt und diskutiert:

Beelitz Heilstätten (H1 - H4):

H1

Nutzung der Trasse des ehemaligen Anschlußgleises zum Heizkraftwerk; Halt der Züge Richtung Innenstadt östlich des Bahnhofsvorplatzes

H2

Ausfädelung der neuen Trasse zwischen Bahnhof und Straße nach Fichtenwalde, großzügige Trassierung (Radius des abzweigenden Gleises = 175 m)

H3

wie H2, aber enge Trassierung (Radius = 100 m)

H4

Ausfädelung südlich der Straße, S-Bogen zwischen den Klinikbereichen

Eine Nutzung des Anschlußgleises zum Bundeswehrgelände wurde nicht betrachtet, da dadurch weder eine Verknüpfung mit den entlang der Wetzlarer Bahn verkehrenden Regionalzügen im Bahnhof Heilstätten noch eine Erschließung der bestehenden bzw. künftigen Nutzung in Heilstätten überhaupt gewährleistet wäre.

Westvorstadt / Innenstadt (S1 - S3):

S1

Führung der Trasse im Zuge der Carl-von-Ossietzky-Straße

S2

Führung der Trasse entlang der Karl-Marx-Straße

S3

Südliche Umfahrung der Westvorstadt unter Nutzung eines Teiles der Bahnstrecke Richtung Treuenbrietzen, Einfädelung in die Clara-Zetkin-Straße südlich des Bahnhofs Beelitz Stadt

Im Ergebnis dieser Diskussion wurden diejenigen Grundvarianten von der weiteren Betrachtung ausgeschlossen, die offensichtlich mit gravierenden städtebaulichen Konflikten verbunden waren oder durch die wesentliche Ziele der Untersuchung nur unzureichend erfüllt werden konnten. Im Einzelnen betraf dies:

  • die Nutzung des Anschlußgleises zum Heizkraftwerk (H1) wegen der Unverträglichkeit mit der geplanten Neubebauung (Zerschneidung, Lärm, gültiger B-Plan),
  • die nördliche Ausfädelung mit weitem Radius (H2) wegen der Auswirkungen auf den Gebäudebestand (Abriß des EG und völlige Neuordnung der Zufahrtsstraße zum Bahnhofsgelände),
  • die innerstädtische Alternativtrasse im Zuge der Carl-von-Ossietzky-Straße (S1) wegen massiver städtebaulicher Probleme (Straßenquerschnitt, Konflikte mit der Wohnnutzung).
Auswahl der Trassierungsvarianten

Die verbleibenden Grundvarianten wurden in einem zweiten Schritt zu kompletten, sinnvollen Trassierungsvarianten kombiniert. Daraus ergaben sich vier Lösungsmöglichkeiten:

Variante 1

enge Ausfädelung in Beelitz Heilstätten (nördlich des Bahnüberganges) und durchgängige Führung entlang der Karl-Marx-Straße / Clara-Zetkin-Straße bis zur Post (Kombination aus H3 und S2)

Variante 2

enge Ausfädelung in Beelitz Heilstätten (nördlich des Bahnüberganges) und südliche Umfahrung der Westvorstadt (Kombination aus H3 und S3)

Variante 3

südliche Ausfädelung mit Umfahrung der Wohnbebauung an der Wetzlarer Bahn und durchgängige Führung entlang der Karl-Marx-Straße / Clara-Zetkin-Straße bis zur Post (Kombination aus H4 und S2)

Variante 4

südliche Ausfädelung mit Umfahrung der Wohnbebauung an der Wetzlarer Bahn und südliche Umfahrung der Westvorstadt (Kombination aus H4 und S3)

Lageplan
Querschnitt
 

4 Variantenbewertung

Nach der Festlegung der Varianten wurden diese unter betrieblichen, verkehrlichen, städtebaulichen, landschaftsplanerischen und ökonomischen Gesichtspunkten bewertet. Nicht in die allgemeine Bewertung einbezogen wurden die Kriterien Grundbesitz bzw. notwendiger Flächenerwerb, da hierfür eine detailliertere Spurplanung notwendig ist. (Die Position Grunderwerb wurde allerdings in der Kostenschätzung berücksichtigt.)

5 Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich feststellen:

  • Die technische Machbarkeit kann bei allen untersuchten Varianten nachgewiesen werden.
  • Wesentliche Unterschiede in der Erreichbarkeit, die eine eindeutige Bevorzugung einer bestimmten Variante nahelegen, sind nicht feststellbar; auch die Fahrzeitunterschiede sind als Entscheidungskriterium nur sehr bedingt geeignet.
  • Eine städtebauliche und landschaftsplanerische Bewertung konzentriert sich auf die Eingriffe in den Grünbestand bzw. Naturraum. Hier sind alle Varianten mit Konflikten verbunden, so dass im Rahmen der vorliegenden Untersuchung nur sehr vorsichtige Aussagen zur Bewertung getroffen werden können. Aber auf der Grundlage des aktuellen Planungsstandes erscheinen die innerstädtischen Eingriffe eher verträglich als die siedlungsferne Trassierung durch die Nieplitzaue; demzufolge wären die Varianten 1 und 3 den Varianten 2 und 4 vorzuziehen.
  • Bei der vergleichenden Betrachtung der Varianten zur Ausfädelung in Beelitz Heilstätten sprechen städtebauliche Argumente (größere Zerschneidungswirkung bei den Varianten 3 und 4) für die Varianten 1 und 2 (mit enger Ausfädelung); unter betrieblichen und verkehrlichen Aspekten lässt sich jedoch keine Bevorzugung für eine der beiden Lösungen ableiten.
  • Innerhalb der Lösungen mit enger Ausfädelung in Beelitz Heilstätten stellt die Untervariante "breiter Kombibahnsteig" die verkehrlich eleganteste Lösung dar; es wäre allerdings vertiefend zu untersuchen, welche Auswirkungen die einzelnen Lösungen auf die geplante bauliche Verdichtung im Bahnhofsumfeld sowie auf die Planungen der Deutschen Bahn AG zur Umgestaltung des Bahnhofes Beelitz Heilstätten hätten.
  • Ein wichtiges Argument stellen grundsätzlich die mit der Realisierung der Trassierungsvarianten verbundenen Kosten dar. Berücksichtigt man jedoch die relativ geringen Unterschiede - die teuerste Lösung (Variante 1) liegt ca. 14% über der kostengünstigsten (Variante 4) - sowie die grossen Unsicherheiten, die mit einer auf dem gegenwärtigen Planungsstand aufbauenden Kostenschätzung verbunden sind, kann aus der Kostenschätzung keine eindeutige Empfehlung für eine der Varianten abgeleitet werden.
  • In Abwägung aller Aspekte empfehlen wir Variante 1 - trotz der etwas höheren Kosten - als Vorzugsvariante, da sie aufgrund der Trassenbündelung mit der Verbindungsstraße mit geringeren stadt- und landschaftsplanerischen Konflikten verbunden ist.