Umgestaltung Bf. Dorsten (2001 - 2015)

1 Anlass und Ziel

Die nordrhein-westfälische Stadt Dorsten, im nördlichen Ruhrgebiet gelegen, forciert derzeit die Umgestaltung ihres am östlichen Innenstadtrand gelegenen Bahnhofsbereiches. Hierzu wurden bereits Gespräche mit den betroffenen Unternehmensteilen der Deutschen Bahn Gruppe geführt. In diesen Gesprächen wurde deutlich, dass es sinnvoll und notwendig ist, als Grund­lage für konkrete weitere Schritte erste Planungs­ideen zu entwickeln, um die möglichen Entwicklungslinien in verkehrlicher, betrieblicher und bautechnischer Sicht vergleichen und bewerten zu können.

In diesem Zusammenhang hat die Stadtverwaltung Dorsten Mitte des Jahres 2000 Kontakt mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus aufgenommen und es wurde mit dem Leiter des Lehrstuhles Eisenbahnwesen verabredet, die Aufgabe „Umgestaltung Bahnhof Dorsten“ im Rahmen des Vertiefungsstudiums im Studiengang Bauingenieurwesen der BTU Cottbus anzubieten. Konkret bedeutet dies, dass durch drei Studentinnen bzw. Studenten der BTU Cottbus alternative Lösungen für den Bahnhof Dorsten erarbeitet sowie spurplantechnisch und gleisgeometrisch im Maßstab 1:1000 durchgearbeitet wurden. Dabei handelt es sich aufgabengemäß um einen Vorentwurfsansatz, der in weiteren Planungsschritten technisch vertieft (z.B. bezüglich der anzuwendenden Sicherungs­technik) und bezüglich ihrer Kosten analysiert werden muss.

2 Ausgangslage

2.1 Infrastruktur

Die Anlagen des Bahnhofes Dorsten erstrecken sich östlich des Stadtkerns in Nord-Süd-Richtung. Der Bahnhof entstand als Kreuzungsbahnhof der Strecken Wesel – Dorsten – Coesfeld und Essen – Gladbeck – Dorsten – Borken. Die Strecke von Wesel ist inzwischen dauerhaft stillgelegt, so dass der Bahnhof nur noch die Funktion eines Anschluss- bzw. Trennungsbahnhofes hat, auch wenn die Trennungsstelle der nördlich von Dorsten gelegene Bahnhof Hervest-Dorsten ist.

Das Empfangsgebäude (EG) wurde in Insellage zwischen den beiden o.g. Strecken errichtet. Das EG hat auf jeder Gleisseite einen Haus­bahn­steig (Gleis 1 Ost und Gleis 1 West). Je ein weiteres Gleis auf jeder Seite ist durch einen Zwischenbahnsteig erschlossen (Gleise 2 Ost und 2 West). Der Zugang zu den Zwischenbahnsteigen erfolgt über schienengleiche Überwege von den Hausbahnsteigen.

Die Zufahrt für Straßenfahrzeuge zum EG ist aus Richtung Norden von der Vestischen Allee möglich. Wegen der beengten Platzverhältnisse auf dem Vorplatz des EG ist diese Zufahrt nur für PKW und Kleinbusse geeignet.

Vom westlich der Gleisanlagen gelegenen Busbahnhof ist das EG durch einen Fußgängertunnel mit Treppen- und Rampenanlage erreichbar. Der Fußgängertunnel dient auch zur Erschließung der auf der auf beiden Seiten des Bahnhofs gelegenen P+R- und B+R-Anlagen.

Die auf der Westseite des Bahnhofes vorhandenen Gleise 3 West bis 7 West dienten bzw. dienen noch der Abfertigung von Güterzügen.

Zwangspunkte für die Neutrassierung von Gleisen bilden im Süden die Fußgängerbrücke zur Feldhausener Straße und im Norden die Eisenbahn­berführungen über die Vestische Allee, über den Wesel-Datteln-Kanal und über die Lippe.

2.2 Verkehr und Betrieb

Der Schienengüterverkehr ist nur noch auf die Bedienung der Hafenbahn beschränkt. Die öffentliche Ladestraße wird nicht mehr genutzt, auch wenn die Einstufung des Bf Dorsten als Satellit im System des Schienengüterverkehrs der DB Cargo AG es zuließe.

Der Schienenpersonenverkehr bedient Nah- und Regional­verkehrs­relationen (Schienenpersonennahverkehr – SPNV). Die Relationen sind als Regional­Expreß- bzw Regional­Bahn-Linien (RE/RB) etabliert und gegen­seitig vernetzt, so dass für die Fahrgäste günstige Über­gänge zwischen den Zügen und von/zu den Bussen am Zentralen Busbahnhof (ZOB) bestehen. Grundgerüst für den SPNV ist derzeit die RE 14 Essen – Dorsten – Borken. In nördlicher Fahrtrichtung (nach Borken) wird diese RE-Linie durch endende Züge der RB 43 Dortmund – Dorsten und RB 44 Oberhausen - Dorsten und durch beginnende Züge der RB 45 Dorsten - Coesfeld bedient, in südlicher Fahrtrichtung entsprechend umgekehrt. Die RE/RB-Linien verkehren stündlich.

Für die zukünftige Gestaltung des SPNV wurde vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) das Zielnetz 2015 geschaffen. Dieses Zielnetz sieht für den Bf Dorsten nur noch die Bedienung mit der RB 44/45 Essen – Dorsten – Borken/Coesfeld (wechelseitiger Zugdurchlauf) und mit einer auf diese RB-Linie abgestimmten endenden/beginnenden RB 43 Wanne-Eickel – Dorsten vor. Die RB 44 soll in der Hauptverkehrszeit auf eine Taktzeit von 20/40 min verdichtet sein, während für die RB 43 und die RB 45 jeweils ein 60-min-Takt geplant ist. Durch die Verknüpfung der Zugangebote der RB 44 und 45 entsteht zwischen Essen und Dorsten ein 20-min-Takt.

Für Sonderverkehr zum/vom Freizeitpark bei Feldhausen (Warner Bros. Movie World - Hollywood in Deutschland) sollen Reisezüge im Bf Dorsten betrieblich enden und beginnen bzw. abgestellt werden.

3 Variantendiskussion

3.1 Grundvarianten

Bei der Umgestaltung des Bahnhofs Dorsten soll möglichst eine kreuzungsfreie Verbindung zwischen Busbahnhof und Empfangsgebäude geschaffen werden. Das wird durch den Rückbau der westlich gelegenen Gleisanlagen erreicht. Grundsätzlich ist das höhengleiche Queren der Gleisanlagen durch Fahrgäste zu vermeiden.

In einer (neuen) Gleisgruppe soll die Güterzugbildung vorgenommen werden. Diese Gleisgruppe soll zugleich die Sonderreisezüge nach/von Feldhausen aufnehmen.

Jeder Entwurf muss sowohl das derzeitige Verkehrs- und Betriebsprogramm als auch das zukünftige (SPNV mit Zielnetz 2015) berücksichtigen.

Aus sechs Grundvarianten wurden drei Varianten ausgewählt, die spurplantechnisch und gleisgeometrisch detaillierter untersucht wurden.

3.2 Detailvarianten

Nach Abwägung der Vor- und Nachteile der Varianten 1 bis 5 wurde die Variante 2 als Vorzugsvariante ausgewählt.

Für den im Konzept Zielnetz 2015 geplanten 20-Minuten-Takt sind zwei durchgehende Hauptgleise im Bahnhof und damit eine zusätzliche Bahnsteigkante notwendig. Von diesem Bahnsteig aus ist das Empfangsgebäude durch den Tunnel zu erreichen.

Spurplan Variante 2
Lageplan Variante 2
 

4 Fazit

Wie bereits einleitend betont, konnte es sich bei den vorliegenden Alternativentwürfen zum Bahnhof Dorsten nur um erste Planungsideen handeln. Welche Realisierungschancen diese im Einzelnen haben, hängt nicht zuletzt von den noch zu ermittelnden Kosten der einzelnen Lösungen ab. Dennoch hoffen die studentischen Bearbeiter, dass mit den erarbeiteten Umgestaltungsvarianten die bisherigen Diskussionen einen entscheidenden Schritt weitergebracht werden können, liegen doch erstmals gleisgeometrische Pläne vor, anhand derer die Machbarkeit einzelner planerischer Ideen überprüft werden kann.