Profil
Die Planungs- und Bauökonomie als eigenständiges Wissens- und Forschungsgebiet ist noch vergleichsweise jung, obwohl das Bemühen um die wirtschaftliche Planung, Ausführung und Nutzung von Bauwerken so alt ist wie das Bauen selbst.
Gegenstand der Planungs- und Bauökonomie ist die Analyse und Darstellung von Methoden zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit von Bauwerken ab der ersten Planungsidee bis zur Inbetriebnahme und während der gesamten Nutzungsdauer (Lebenszyklus im weiteren Sinne). Dabei werden sowohl die Aufgaben des Bauherren (Projektmanagement) als auch die Leistungen der Architekten und Ingenieure (Bauplanung und Bauausführung) behandelt. Weiterhin wird dem Lebenszyklus des Bauwerkes im engeren Sinne ein eigener Schwerpunkt gewidmet (Objektmanagement).
Unter Wirtschaftlichkeit wird nicht nur Kostenwirtschaftlichkeit verstanden, vielmehr wird auch nach Wegen gesucht, die nicht monetär ermittelbaren Eigenschaften wie Nutzen und externe Effekte in eine umfassende Wirtschaftlichkeitsbeurteilung mit einzubeziehen. Nur so kann Bauen unter wirtschaftlichen Zielen auch zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen und umweltverträglich sein.
Wirtschaftliche Bedingungen bestimmen vor allem auch den Planungsalltag der Architekten und Ingenieure. Die wirtschaftliche Situation des Planungsbüros als Betrieb mit Kosten und Erlösen und im Wettbewerb mit anderen Organisationsformen ist ebenfalls Gegenstand der Planungs- und Bauökonomie, dieses Thema wird als Planungsbetriebslehre bezeichnet.
Die Planungs- und Bauökonomie war bisher vor allem auf das einzelne Projekt (Bauvorhaben) bzw. Objekt (Bauwerk) gerichtet. Ein wesentlicher Teil der Forschung wird in Zukunft das Umfeld, insbesondere die Stadt zum Gegenstand haben (Stadtökonomie).
Systematik
Die Planungs- und Bauökonomie wird nach den drei Gesichtspunkten Institutionenlehre, Prozesslehre und Verfahrenslehre gegliedert. Jeder einzelne Gegenstand, z. B. die Kostenberechnung, kann in diese Gliederung eingeordnet werden, z. B. die Aufgaben des Architekten (Institutionenlehre), die Leistungsphase 3. Entwurfsplanung (Prozesslehre) und die DIN 276-1: 2006-11, Kosten im Bauwesen -Teil 1, in der praktischen Anwendung (Verfahrenslehre).
1. Institutionen (Bezug: Beteiligte an Planung, Ausführung und Nutzung von Bauwerken)
- Bauherr(-enorganisation) einschließlich Projektentwickler, Projektleiter/Projektsteuerer, Sicherheits- und Gesundheitskoordinator
- Nutzer einschließlich Eigentümer, Betreiber, Mieter
- Architekten und Ingenieure als Planer, Sonderfachleute/Berater, Generalplaner
- Ausführende Firmen einschließlich Generalunternehmer, Generalübernehmer
- Träger öffentlicher Belange, insbesondere Behörden, Öffentlichkeit
- Kreditinstitute
2. Prozesslehre (Bezug: Lebenszyklus von Bauwerken im weiteren Sinne)
2.1 Projektmanagement, Bauplanung und Bauausführung
(Bezug: Bauherrenaufgaben (AHO), Architekten- und Ingenieurleistungen (HOAI))
Projektstufen nach § 207 AHO
1. Projektvorbereitung
2. Planung
3. Ausführungsvorbereitung
4. Ausführung
5. Projektabschluss
Leistungsphasen nach § 33 HOAI (2009)
1. Grundlagenermittlung
2. Vorplanung
3. Entwurfsplanung
4. Genehmigungsplanung
5. Ausführungsplanung
6. Vorbereitung der Vergabe
7. Mitwirkung bei der Vergabe
8. Objektüberwachung (Bauüberwachung)
9. Objektbetreuung und Dokumentation
2.2 Objektmanagement
(Bezug: Lebenszyklus von Bauwerken im engeren Sinne)
- Nutzen (Verwalten, Ver- und Entsorgen, Instandhalten)
- Umnutzung, Umbau und Erweiterung
- Modernisierung
- Abbruch und Beseitigung
- Recycling
3. Verfahrenslehre (Technische Regeln, Rechtsvorschriften, Betriebswirtschaftliche Grundlagen, praktische Anwendungen in Beispielen)
3.1 Technische Gebiete
- Durchführung von Wettbewerben
- Aufstellen eines Raum- und Funktionsprogramms
- Ermittlung der Flächen- und Rauminhalte
- Kostenplanung
- Nutzungskostenermittlung
- Wirtschaftlichkeitsermittlung
- Termin- und Kapazitätsplanung
- Leistungsbeschreibung mit Leistungsverzeichnis und Leistungsprogramm
3.2 Betriebswirtschaftlich-organisatorische Gebiete
- Investitionsrechnung (Statische und dynamische Verfahren, z. B. Rentabilitätsrechnung, Amortisationsrechnung, Annuitätenrechnung)
- Nutzentheorie, z. B. Wohnungsbewertungssystem (WBS, Schweiz)
- Kosten- und Leistungsrechnung im Planungsbetrieb
- Finanzierung bis zum Nutzungsbeginn des Bauwerkes
- Baufinanzierung, z. B. Ermittlung der Belastung
- Gründungs- und Betriebsfinanzierung
- Grundzüge der Organisationslehre (Aufbau- und Ablauforganisation, Dezentralisierung, Funktionalisierung, Delegation, Standardisierung, Arbeitszerlegung)
- Mitarbeiterführung
3.3 Rechtlich-vertragliche Gebiete
- Grundzüge des Werk- und Dienstvertragsrechts
- Leistungsbilder in der Bauplanung und Beratung
- Honorarermittlung für Architekten- und Ingenieurleistungen
- Honorarermittlung für Projektmanagementleistungen
- Haftung bei Architekten-, Ingenieur- und Projektmanagementleistungen
- Verdingungswesen und Bauvertrag
- Abnahme und Mängelbeseitigung bei Planungs- und Bauleistungen
