(30.11.2011) Forschungskolloquium

Prof. Claus Lewerentz "Software-Städte - Die Nutzung der Stadt als Metapher für die Softwareentwicklung"

Mit ihm diskutiert: Prof. Heinz Nagler

Computerprogramme –Softwaresysteme– sind komplexe Artefakte aus Millionen Textzeilen, logisch und hierarchisch strukturiert in vernetzten Funktionen, Modulen, Komponenten und Teilsystemen. Software ist immateriell und unanschaulich. Für das Verstehen von Softwaresystemen, ihrer Entwicklungsprozesse und für die Einschätzung von Produkt- und Prozesseigenschaften spielen geeignete Visualisierungen eine zunehmend wichtige Rolle.

Im Vortrag wird als einheitliche Visualisierungsmetapher das Konzept von "Software-Städten" vorgestellt. Aus den Struktur- und Entwicklungsdaten eines Softwaresystems wird die Gestalt einer virtuellen Stadtlandschaft erzeugt.

Es wird gezeigt, wie solche künstlichen Städte eine gleichsam materialisierte entwicklungsbegleitende Darstellung und Wahrnehmung von Softwaresystemen unterstützen und wie sie als zentrales Kommunikationsmittel den verschiedenen am Entwicklungsprozess beteiligten Personen eine einheitliche Sicht vermitteln. Dabei wird in den Städten insbesondere auch die Entwicklungsgeschichte der Software dargestellt.

Die Stadt-Metapher unterstützt die Orientierung und das räumliche Erinnerungsvermögen und erschließt die Anwendung eines reichhaltigen Repertoires an kartographischen Darstellungstechniken. So können dedizierte "Landkarten" unterschiedliche Systemaspekte besonders hervorheben und spezifische Analyseszenarios geeignet unterstützen. Beispiele sind "Entwicklerkarten", die den Beitrag verschiedener Entwickler darstellen, "Qualitätslandkarten", die multidimensionale Kenngrößen im Kontext der Systemarchitektur und Codestruktur anschaulich machen, oder "Baustellenkarten", die Änderungshistorien einzelner Softwarekomponenten direkt sichtbar werden lassen. 

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