(25.01.2012) Forschungskolloquium

Lukas Staudinger "Essen und Moral - Die ambivalenten Stadträume alternativer Lebensmittelökonomien"

Am Mittwoch, den 25. Januar 2012, um 11.30 Uhr im Zeichensaal des LG 2C findet in der Rubrik PREMIERE der erste Vortrag von Lukas Staudinger - Mitarbeiter am Lehrstuhl Entwerfen und Gebäudekunde - statt.

Im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte trat die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Essen und Lebensmittelkonsum zunehmend in den Fokus der Anthropologie, der Soziologie, den Kulturwissenschaften, der Geographie und nicht zuletzt der Stadtforschung. Die Art und Weise wie Menschen mit Essen umgehen und Lebensmittel konsumieren charakterisiert sowohl eine der intimsten als auch alltäglichsten Aktivitäten eines jeden einzelnen. Darüber hinaus reflektiert das Konsumverhalten auch globale und lokale Trends, die sich im urbanen Raum manifestieren - politisch, sozial, ökonomisch und natürlich räumlich.Die im Rahmen des Forschungskolloquiums präsentierte Studie beschäftigt sich intensiv mit alternativen Lebensmittelökonomien, der zunehmenden Verbreitung von ‘natürlichen’ und ‘biologischen’ urbanen Lebensstilen und deren ambivalenten Räumen, die sich durch diese Entwicklungen in der zeitgenössischen westlichen Stadt verankern. Wir leben in einem ‘Zeitalter der Angst’ (Jackson 2010: 150; Bauman 2006; Wilkinson 2001: 42; Bunting 2004), in dem Kategorien wie Sauberkeit, Reinheit und Gesundheit zunehmend als Mittel für soziale Segregation und gesellschaftliche Kategorisierung zu interpretieren sind. Praktiken des alternativen Lebensmittelkonsums haben häufig eine Re-Artikulierung von Klassenunterschieden zur Folge und verwandeln Essen in eine moralische Tätigkeit - sowohl auf persönlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Mithilfe der von Foucault entwickelten Konzepte der Gouvernementalität und der Biopolitik wird die sozio-politische und räumliche Relevanz des Themas dargestellt und anhand einer Auswahl von Fallbeispielen in London zusätzlich veranschaulicht.Wir freuen uns auf eine spannende Diskussion - Essen geht ja jeden an!

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