Vorreiter im All

Vor wenigen Tagen hat das Geoflow-Experiment der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus erste Daten von der Raumstation ISS in die Lausitz geschickt. Das Kugelschalen-Experiment ist zwar so klein, dass es in einen Schuhkarton passt – für die Cottbuser Universität ist es jedoch von großem Wert. Geoflow wird seit dem Start des europäischen Weltraumlabors Columbus nicht nur in einem Atemzug mit der ISS oder den Weltraumbehörden Nasa und Esa genannt, sondern hat auch einige Superlative zu bieten: Es ist das erste Experiment im Fluid- Science-Labor in Columbus und zudem eines von nur zwei deutschen Experimenten an Bord. Professor Christoph Egbers konnte sich mit seinem Team nicht nur einen der begehrten Experimentierplätze im All sichern, sondern hat auf dem Gebiet der flüssigen Physik somit auch die Vorreiterrolle inne.
Und Cottbus mit der vielerorts noch unbekannten Universität hat wohl auch das am fantastischsten klingende Experiment: Eine Reise zum Mittelpunkt der Erde, die in 400 Kilometern Höhe stattfindet. Damit hat Professor Egbers der BTU einen großen Dienst erwiesen – beste Werbung, die sich eine Hochschule nur wünschen kann. So berichteten nicht nur überregionale Medien wie «Zeit Wissen» oder der «Spiegel» darüber, sondern ist das Team jetzt auch zu einer Nasa-Tagung nach Florida geladen. Das hilft nicht nur, die Bekanntheit unter deutschen und internationalen Forscherkollegen zu erhöhen und die niedrigen Reputationswerte, die die BTU in Rankings immer wieder verzeichnen muss, zu steigern. Auch potenzielle Studenten können durch solch interessante Projekte angelockt werden – was im Umkehrschluss bedeutet, dass sich der Weg für ähnliche Forschungsvorhaben und Gelder für die Hochschule öffnen kann.
Nun hat nicht jeder Professor so ein populäres Forschungsgebiet wie den Weltraum im Ärmel. Doch vielleicht verleiht Geoflow auch anderen Flügel, mit Beharrlichkeit etwas auf die Beine zu stellen.
Und wenn das Experiment nach Auswertung der Daten möglicherweise noch ein völlig neues Bild vom Aufbau der Erde liefern kann und dies durch Cottbuser Engagement geschieht – umso besser.      

 

[Lausitzer Rundschau, Nachrichten vom 14.08.2008; Internet: www.lr-online.de/meinungen/LR-Kommentar-Geoflow-BTU-ISS;art1066,2135962 ]