Profil und Zielsetzungen der Professur
Wer neue Ideen umsetzen, drängende Probleme lösen und Erreichtes für die Zukunft sichern möchte, braucht eine klare Vorstellung von den Erfolgsbedingungen seines Handelns. Die Konzepte und Theorien der Soziologie bieten Orientierungs- und Reflexionswissen, um systematisch zu überprüfen, was auf den ersten Blick als selbstverständlich und unabänderlich erscheint. Warum scheitern gute Ideen etwa zur Verbesserung eines Produkts häufig schon vor den ersten konkreten Umsetzungsschritten? Warum verfestigen sich soziale Probleme etwa in einem Stadtteil oder auf dem Arbeitsmarkt, obwohl durchaus Gegenmaßnahmen ergriffen wurden? Die Soziologie kann wesentliche Beiträge zur Beantwortung dieser Fragen leisten. Sie stellt die Wechselwirkungen des Handelns von Personen, Organisationen und weiteren Akteuren in den Mittelpunkt und nimmt dabei auch die unbeabsichtigten Wirkungen in den Blick. Erfolg oder Scheitern eines Vorhabens hängt nicht direkt vom Abarbeiten eines einmal gefassten Plans sondern von der Berücksichtigung komplexer Randbedingungen und Wechselwirkungen ab.
In diesem Sinne kann Soziologie also eine sehr praxisbezogene Wissenschaft sein. Sie bietet jedoch keine konkreten Werkzeuge, Instrumente oder Handlungsanweisungen, mit denen auftretende Probleme ad hoc gelöst werden können. Sie erarbeitet Analysen von Phänomenen, die nur unter Berücksichtigung von Wechselbeziehungen zwischen Menschen verstanden werden können und entwickelt Theorien, die zum Verständnis solcher sozialen Phänomene beitragen.
Die Abstraktheit soziologischer Erklärungen ermöglicht es, ihre Konzepte auf vielfältige praktische Probleme anzuwenden und dadurch neue Denkrichtungen und Lösungswege anzuregen. An einer Technischen Universität kommt ihr die Aufgabe zu, in Lehre und Forschung die soziale Bedingtheit technologischer und ökonomischer Entwicklungen zu reflektieren. Die Studierenden der Ingenieur-, Natur- und Wirtschaftswissenschaften sollen dabei unterstützt werden, sich ihrer eigenen sozialen Position bewusst zu werden und die gesellschaftliche Relevanz ihres späteren beruflichen Handelns einschätzen zu können. Forschung und Lehre werden eng aufeinander bezogen, so dass die Studierenden auch Einblick in die Methoden der empirischen Sozialforschung gewinnen können.
