Gestaltung auditiver Internet-Testumgebungen

Dipl.-Ing. Christian Richter

Auf dem Gebiet der auditiven Testverfahren ergeben sich neben den herkömmlichen Verfahren einige interessante Anwendungen auf der Basis von Internettechnologie. Um hier die entsprechenden Erfahrungen zu sammeln, wurden mehrere internetbasierte Benutzeroberflächen geschaffen sowie die dahinter stehenden Verfahren und Bedingungen evaluiert. So wurden auditive Tests in verschiedenen Varianten umgesetzt. Es handelt sich im Speziellen um Sprachgütemessungen und eine Hörschwellenmessung.
Bei einem MOS-Test werden die sprachqualitätsrelevanten Kriterien einer Sprachprobe bestimmt. Die abgegebenen Einzelergebnisse aller Versuchspersonen werden am Ende des Tests für jedes Kriterium gemittelt und ergeben einen durchschnittlichen Meinungswert der Sprachproben, den Mean-Opinion-Score (MOS). Ein solcher Test wurde auf der Basis der beschriebenen Technologie umgesetzt und mit den Ergebnissen eines unter „idealen“ Studiobedingungen angepassten Tests verglichen. Die Abbildung zeigt die grafische Oberfläche des MOS-Tests. Die festgelegten Kriterien wie z.B. die Aussprache, wurden nacheinander anhand einer 5-stufigen Skala bewertet. Es sollte nur ein Teil der im Studio untersuchten Kriterien bestimmt werden, um den Hörtest auf ca. 25 Minuten zu begrenzen. Der gesamte Test umfasste außerdem eine vorgeschaltete Eingewöhnungs- oder Lernphase in der sich der Proband mit der Benutzeroberfläche und Referenz-Hörbeispielen vertraut machen konnte. Dies ist im Sinne eines reibungslosen Testablaufs empfehlenswert und reduziert den Betreuungsaufwand. Für den Test wurde zur Erfassung der Testbedingungen außerdem ein Erhebungsbogen erstellt. Von besonderem Interesse waren in diesem Zusammenhang die raumakustische Situation (Störgeräusche) und die individuelle gerätetechnische Ausstattung. Diese Randbedingungen können erfahrungsgemäß stark variieren und dadurch bei den Ergebnissen erhebliche Streuungen verursachen.
Betrachtet man die bisher untersuchten Internetanwendungen so zeigt sich ein differenziertes Bild. Die Sprachgütemessung wird sowohl bezüglich der browserbasierten Gestaltung als auch bezüglich der Verarbeitung der Audiodaten akzeptiert. Voraussetzung ist allerdings ein leistungsfähiger Internetanschluss; ein solcher ist aber zunehmend auch im privaten Bereich verfügbar. Somit gewinnen auch Anwendungen wie die Client-Server-Technologie zunehmend an Bedeutung. Dies führt zu größerem Komfort aus Benutzersicht und erweitert die Möglichkeiten bei der Datenhaltung und der Auswertung. Die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse im Vergleich zu einem „idealen“ MOS-Test war nicht in vollem Umfang gegeben. Allerdings können umgebungsbedingte Streuungen durch die Erhöhung der Anzahl der Stichproben vermindert werden. Verringert man den Störschallpegel - mittels einfacher Maßnahmen auf der Benutzerseite - sind die erzielten Ergebnisse ebenfalls aussagefähiger. Der Hörschwellentest dagegen reagiert deutlich sensibler auf Störeinflüsse. Dies ist bedingt durch den erforderlichen „niedrigen Arbeitspunkt“ (bezüglich der Lautstärke).
Die Nutzung des Internets hat bekanntlich den großen Vorteil der schnellen, parallelen Bearbeitungsmöglichkeit von auditiven Tests durch eine große Anzahl von Probanden. Ein Studiomessplatz dagegen bedarf immer der technischen Vorbereitung und der intensiven organisatorischen Betreuung bei vergleichsweise geringer Probandenanzahl.

Webinterface des erstellten und evaluierten MOS-Tests