Forschungsprofil
Dienstleistungsunternehmen sind das Rückgrad unserer Wirtschaft geworden. Etwa 75% aller Beschäftigten sind im Dienstleistungs- und Servicebereich angestellt. Doch wie funktionieren Innovationsprozesse für Dienstleistungen? Welche Rolle spielen Informations- und Kommunikationstechnologien beispielsweise bei der Gestaltung standardisierter Prozesse, im Vertrieb oder bei der Ansprache der Kunden? Welche Möglichkeiten hat die Politik, um Wohlstand in dieser wissensorientierten Wirtschaft und Gesellschaft weiterhin zu fördern? In diesem Zusammenhang wird vor allem der Begriff des lebenslangen Lernens häufig verwendet. Doch wie halten Organisationen ihre Mitarbeiter lernbereit? Wie können Mitarbeiter gezielt gefördert und qualifiziert werden?
Hinzu kommen unterschiedliche wirtschaftliche Dynamiken in verschiedenen Regionen, die durch demografische Entwicklungen und den Strukturwandel sowie die aktuelle Finanzkrise noch verstärkt werden. Die Konsequenzen für unternehmensinterne Prozesse sind vielfältig und erfordern ein Umdenken auf allen organisatorischen Ebenen. Neben intensiven Qualifizierungsanstrengungen arbeiten Firmen sehr viel stärker in Netzwerken zusammen, um Synergien und Kompetenzen gemeinsam zu nutzen, Risiken zu minimieren und flexibel zu bleiben.
Auch das Thema Nachhaltigkeit berührt Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen und erfordert ein radikales Umdenken. Welche Verantwortungen können und müssen Unternehmen in einer globalisierten Welt übernehmen? Wie lassen sich durch eine Veränderung der Spielregeln Win-Win-Situationen herstellen, in denen Nachhaltigkeitsaspekte (z.B. neue Energiekonzepte) nicht zu Lasten wirtschaftlicher Interessen von Unternehmen gehen und umgekehrt?
Diese Fragen sind weitestgehend ungeklärt oder werden kontrovers diskutiert. Wir versuchen gemeinsam mit unseren großen, mittelständischen und kleinen Partnern aus Industrie, Dienstleistung und dem öffentlichen Bereich nach neuen Lösungswegen zu suchen.
Die Forschungsaktivitäten des Lehrstuhls basieren auf drei Säulen: Schwerpunktthemen, die sich aus den oben beschriebenen Trends direkt ableiten lassen, Anwendungen moderner wissenschaftlicher Methoden und Nutzung theoretisch fundierter Konzepte.
Aktuell im Fokus stehen die Schwerpunktthemen Tertiarisierung, Qualifizierung, Innovation, Nachhaltigkeit und die Analyse wirtschaftlich benachteiligter Regionen (Strukturwandel, Demografie, Abwanderung). Daraus lassen sich eine Reihe interessanter Forschungsthemen ableiten, die interdisziplinär verknüpft werden, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Beispielsweise wird am Lehrstuhl der Frage nachgegangen, welche Konsequenzen eine Verschiebung der Altersstruktur auf die Weiterbildung und die Innovationsfähigkeit von Unternehmen hat. In einem anderen Forschungsprojekt wird die Innovationsfähigkeit durch wissens- und technologieintensive Neugründungen aus dem universitären Umfeld analysiert und gestärkt, um auch für die Lausitz Impulse zu setzen - eine Region, die stark geprägt wird durch Abwanderung und Alterung der Bevölkerung. Weitere Themen setzen sich mit der Bewertung der Human Ressourcen von Unternehmen oder auch mit den unterschiedlichen Karriereplanungen und Qualifizierungsmaßnahmen von Männern und Frauen auseinander.
Die Fragestellung determiniert die Methodenwahl. Momentan nutzen die MitarbeiterInnen systemdynamische Modellierungen, Strukturgleichungsmodelle, qualitative Analysen und experimentelle Methoden, um Konsequenzen verschiedener Entwicklungen sowie Ursachen- und Wirkungszusammenhänge besser analysieren zu können.
Auch Theorien sind gewissen Trends unterworfen. Gerade neue institutionenökonomische und evolutorische Ansätze sowie die Ressourcentheorie ermöglichen Erklärungshilfen für aktuelle Themen und Entwicklungen. Aber auch sozialpsychologische Konzepte und eher traditionelle Organisationstheorien helfen, komplexe Fragestellungen praxisnah und umfassend zu analysieren.


