Beratung

Die Gründungsberatung stellte eine der Kernaufgaben der Gründervilla innerhalb des EXIST-III Projektes an der BTU Cottbus dar. Im Folgenden werden grundlegende Aspekte der Beratung (Selbstverständnis, Prozessverständnis, Anzahl KlientInnen) in aller Kürze zusammengefasst.

 

Das Selbstverständnis der Gründervilla als Beratungseinrichtung:

Beratung stellt ein wichtiges Instrument der Gründungsförderung dar; wobei „gute Beratung“ auf einer transparenten, vertrauensvollen Beziehung zwischen KlientInnen und BeraterInnen aufbaut. Ein erster Schritt hierbei stellt die Formulierung von „Selbstverpflichtungen“ im Umgang mit den KlientInnen dar, ein zweiter Schritt das offene Kommunizieren der Aufgaben und Ziele auf beiden Seiten. Die MitarbeiterInnen der Gründervilla verpflichten sich, ...

• ... sämtliche nicht öffentliche Informationen, die im Rahmen der Gründungs¬begleitung zugänglich gemacht werden, vertraulich zu behandeln und nicht an Personen außerhalb des „Erfolgreich Gründen!“–Teams weiterzugeben. Ausgenommen von dieser Regelung sind anonymisierte Informationen, die im Rahmen der Forschungstätigkeit der beteiligten MitarbeiterInnen Verwendung finden können.

• ... schriftlich eingereichte Ideenskizzen und Businesspläne vertraulich zu behandeln und nicht ungefragt an Dritte weiterzugeben.

• ... für eine transparente und vertrauensvolle Atmosphäre zu sorgen und die Gründungsbegleitung sowie -beratung an den spezifischen Erfordernissen der KlientInnen auszurichten.

• ... die spezifischen Erfordernisse des Gründungskontextes zu berücksichtigen (z. B. Markterfordernisse, Teamzusammensetzungen, Realisierungsvoraussetzungen) und Gründungen nicht zum Selbstzweck voranzutreiben.

• ... vorab gemeinsam mit den KlientInnen Anforderungen, Zielvereinbarungen und Ressourcen der KlientInnen und der BeraterInnen zu formulieren und ggfs. schriftlich festzuhalten.

• ... ggfs. an andere PartnerInnen der Gründungsbegleitung zu vermitteln, wenn die eigenen Kompetenzen zur Zielerreichung nicht ausreichen.

• ... ihre Arbeit kontinuierlich durch mündliches und schriftliches Feedback der KlientInnen evaluieren zu lassen.

Auf Grundlage dieser ersten Informationen erfolgte eine Einordnung der KlientInnen in den Gründungsprozess. Die Prozessphasen sind jeweils mit bestimmten Schritten sowohl der KlientInnen als auch der BeraterInnen gekoppelt.

 

Dies sind einzelne der Schritte, die zu beachten waren:

Fahrplan für erfolgreiche GründerInnen. Motivation und Orientierung (Aspekte, die durch Angebote der Gründervilla thematisiert werden):

- Produkt und Dienstleistung
- Zielgruppen - Markterkundung & -analyse
- Wettbewerber - Privatentnahmen

Vorgründung (Aspekte, die auch durch Angebote der Gründervilla thematisiert werden):

- Produktbegleitende Dienstleistungen
- Tragfähigkeit der Geschäftsidee (Finanzen und Kosten, Nutzer- & Kundengruppen, Konkurrenz)
- Organisation (Organigramm und Personal)
- Vertriebsstrategie/ Kundenakquise, Corporate Identity
- Marketing-Mix - Krankenkasse, Versicherungen, Steuern
- Rechtsform
- Ideenprüfung im Technologiebereich
- Patente, Marken- und Namenschutz
- Controlling
- Kommunikationstraining (Verhandlung, Verkauf, Kundengespräch)
- Existenzgründungsfinanzierung
- Finanzierbarkeit der Geschäftsidee (Investitionen und Bedarf)
- Sicherheiten, Bürgschaften, Bankgespräche
- Zulieferer/ Kooperationspartner
- Standort (Wirtschaftsförderung)
- EDV/ eBusiness

Produktionsleistungen:

- Konstruktion
- Fertigung
- Montage
- Inbetriebnahme im Haus
- Inbetriebnahme beim Kunden
- Kundenakquise

Gründung:

- Anmeldungen und Genehmigung (BMWi-Softwarepaket)
- Büroorganisation
- Pressearbeit
- Kundenakquise
- Recht und Verträge
- Geschäftskonto
- 1x1 Rechnungswesen/Jahreserfolgsrechnung

Wachsen:

- Kundenbindung
- Etablierung von Management- und Führungsstrukturen
- Marken (-aufbau)
- Qualitätsmanagement
- Netzwerke/Stammtische nutzen

Damit die Beratung an den Gegebenheiten der KlientInnen angepasst werden kann, forderten die BeraterInnen ganz am Anfang Informationen ein, welche die Beurteilung des aktuellen Standes in der Erarbeitung einer Geschäftsidee zumindest grob ermöglichen und damit Grundlage für das weitere Verfahren in der Beratung waren.

 

Folgende 10 Punkte wurden von allen KlientInnen schriftlich (1 bis 5 Seiten) eingefordert:

1. Geschäftsidee: Was sind die wichtigsten Dinge, die wir über Ihr Business wissen sollten.

2. Was ist das Besondere an Ihrer Idee?

3. Welche Angebotspalette an Produkten und/ oder Dienstleistungen bieten Sie an?

4. Wer sind Ihre Kunden und wie erreichen Sie diese (Marketing/ Akquise)

5. Welchen Nutzen haben Ihre Kunden von Ihrem Produkt?

6. Wer sind Ihre Wettbewerber? Was hebt Sie von Ihren Wettbewerbern ab? Wie sind Ihre Chancen und welche Entwicklungen erwarten Sie?

7. Wie sieht Ihre Teamaufstellung aus? Welche Qualifikationen und Kompetenzen bringen Sie mit?

8. Wo befindet sich der Standort Ihres Geschäftes?

9. Was soll Ihr Produkt / Dienstleistung kosten? Welches Einkommen (Umsatz) benötigen Sie monatlich zum Leben?

10. Benötigen Sie für die Umsetzung Ihrer Idee einen Kredit? Haben Sie sich bereits Gedanken um die Finanzierung gemacht? Wenn ja, welche?

11. Und zum Schluss möchten wir gerne noch erfahren:
(a) Haben Sie spezielle Fragen an uns?
(b) Was erwarten Sie konkret von der Gründungsunterstützung an der BTU?

 

 

Wie war die Beteiligung an der Beratung während der Projektlaufzeit?

In der Projektlaufzeit wurde die Früh-Phasen-Beratung der Gründervilla von vielen Interessierten genutzt. Im Bereich Beratung gab es – wie an einer TU (noch immer) zu erwarten – mehr männliche als weibliche KlientInnen und InteressentInnen. Die Mehrzahl der KlientInnen waren Studierende. Die beiden Abbildungen zeigen Anzahl der KlientInnen von Juni 2008 bis Januar 2011.

 

In der nachfolgende Grafik wird ein Überblick über den zeitlichen Verlauf der Teilnahme an der Beratung vom Quartal 3/2008 bis Quartal 1/2011 gegeben. Es ist zu erkennen, dass in den Quartalen 4/2008 und 1/2010 keine KlientInnen an dem Angebot der Gründungsberatung teilnahmen. Dagegen ist eine sehr hohe Teilnahme in den Quartalen 4/2009 und 4/2010 zu verzeichnen.

 

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Bereich „Beratung“ gut angenommen wurde. Die Gründungsberatung bildete eine gute Basis für eine Neugründung und half den GründerInnen sicher in die Selbstständigkeit zu starten. Die Aufgaben der Gründervilla konzentrierten sich hierbei auf frühe Phasen im Gründungsprozess. Nachdem die Geschäftsidee „gereift“ war, wurden die KlientInnen an andere Beratungseinrichtungen (insbes. BIEM an der BTU Cottbus, Gründungsservice/ ehem. Lotsendienst) weitergeleitet – ausgestattet mit einer fundierten Geschäftsidee und einem überlegten, individuell passenden Unternehmenskonzept.