Berufsbild
Die bundesdeutsche medizintechnische Industrie wird angeführt von den großen Unternehmen Siemens, Philips und Fresenius. Hinzu kommen siebzehn weitere Unternehmen mit einem Jahresumsatzvolumen von jeweils mehr als 35 Mio. Euro und mehr als 500 kleine und mittelständische Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern je Unternehmen. In der Regel stammen über 50 % des Umsatzes eines Medizingeräteherstellers von Produkten, die weniger als 2 Jahre alt sind. Die Hersteller investieren rund 10 % ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Aufgrund dieses hohen Einsatzes bieten sich gute Chancen für Ingenieure in diesem hochinnovativen Bereich. Hinzu kommen neue weitere Betätigungsfelder. Der Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologie unterliegt im Umfeld von Patienten besonderen Anforderungen, die vielfach nur durch entsprechend ausgebildete Ingenieure sichergestellt werden können. Auch die heute vielfach genannte Biotechnologie funktioniert nicht ohne enge Synergien mit Technikbereichen wie der Informationstechnik und der Mikrosystemtechnik.
Tätigkeitsfelder und Perspektiven
Deutschland ist in den Bereichen Mikro-, Nano- und Medizintechnik weltweit führend, stellt die VDE-Studie „Schlüsseltechnologien 2010“ fest. Diese Sektoren zählen neben der Bio- und Medizintechnik zu den Schlüsseltechnologien mit der höchsten Innovationskraft. Innovative Medizinprodukte spielen eine zentrale Rolle für eine hochwertige und weiterhin finanzierbare Gesundheitsversorgung. Bildgebende Verfahren wie die Computertomografie und die Kernspintomografie haben die diagnostischen Möglichkeiten revolutioniert. Die Anwendung von Mikrosystemtechnik (Bauteile in der Größe von einigen Tausendstel Millimeter und in der Nanotechnologie auch darunter) ermöglicht patientenschonende Therapieverfahren wie die „Schlüssellochchirurgie“. Hierbei werden heute mit entsprechenden Systemen minimal-invasive Operationen durchgeführt, bei der der gesamte Eingriff durch ein winziges Loch in der Haut vorgenommen wird. Beide Techniken geben auch bereits eine Idee über die enorme Spannbreite, die allein in der unterschiedlichen Größe von Medizingeräten steckt. Der Einsatz dieser Geräte ist nur mit der ständigen Betreuung durch Ingenieure der Fachrichtung Biomedizinische Technik /Biomedizinische Gerätetechnik möglich. Sie sind in den Krankenhäusern für Beschaffung, Wartung und Inbetriebnahme der Geräte zuständig und helfen den Ärzten in vielen Fällen bei der Anwendung am Patienten. Viele Krankenhäuser verfügen deshalb über eigene medizintechnische Abteilungen. Die Entwicklung von hochtechnologischen Medizingeräten erfordert komplexes Know-How. Im weltweiten Vergleich nimmt Deutschland hier eine hervorragende Rolle ein.
Die beruflichen Perspektiven für Absolventen der biomedizinischen Gerätetechnik sind nicht nur hervorragend, sondern werden mittel- und langfristig auch als hervorragend eingeschätzt. Haupttätigkeitsfelder für Absolventen des Masterstudiengangs „Biomedizinische Gerätetechnik“ sind:
- Medizintechnische Industrie:
· Entwicklung von Verfahren, Geräten und medizintechnischen Systemen
· Prüfung, Erprobung und Beurteilung von Verfahren und Geräten
· Qualitätsmanagement für Produkte
· Applikation, Kooperation mit der medizinischen Forschung
· Beratung und Schulung, Marketing und Vertrieb
- Medizinische und biologische Forschung:
· Grundlagenforschung (Versuchsplanung, Datenanalyse, Entwurf und Realisierung von Experimentalsystemen)
· Klinische Forschung (Entwicklung neuer Verfahren und Geräte für Diagnostik, Therapie und Rehabilitation)
- Behörden, Sachverständigen-Organisationen:
· hoheitliche Aufgaben nach EU-Medizinprodukterichtlinie bzw. nach Medizinproduktegesetz (MPG),
· Akkreditierung, Zertifizierung
- Kliniken:
· Planung und Beschaffung von medizintechnischen Geräten und Anlagen
· betriebswirtschaftlich geprägtes Technik-Management
· Sicherheitsingenieur für Medizintechnik
· Qualitätsmanagement/ -sicherung
· Mitwirkung beim Einsatz medizintechnischer Anlagen und Systeme
· Bestrahlungsplanung, Strahlenschutzverantwortlicher
