Warum soll ich gründen?

Prinzipiell kann gesagt werden, dass sich alle Unternehmensgründer in zwei Hauptkategorien einordnen lassen:

Freiwillige Entrepreneure (Chancengründer):

  • Unternehmensgründer, die aus freien Stücken eine selbstständige Tätigkeit anstreben
  • Überzeugung von einem Geschäftsmodell (z.B. eine innovative/marktfähige Geschäftsidee oder gute Zukunftsperspektiven im Bereich der Selbstsändigkeit)
  • Weitere Argumente: Eigenverantwortlichkeit, Selbstverwirklichung, Flexible Zeiteinteilung, Prestigegewinn, Kreativität ausleben etc.
  • Weitere Einflüsse: Unternehmensgründung durch Familientradition vorgegeben, Unzufriedneheit mit der abhängigen Beschäftigung
  • Ca. 80% aller Unternehmensgründer

 

Unfreiwillige Entrepreneure (Notgründer):

  • Unternehmensgründung vor allem aufgrund fehlender Erwerbsalternativen (z.B. auch nach jahrelangen Bemühugnen keine Aussicht auf einen Job)
  • Ca. 20% aller Unternehmensgründer

 

Als besonders wichtige Motive für eine Gründung werden die Motivation, die Risikoneigung und die Handlungsfähigkeit des potenziellen Gründers eingestuft. Die, durch implizites und explizites Wissen bestimmte, Handlungsfähigkeit ist die Basis der persönlichen Kompetenz. Zu den persönlichen Kompetenzen zählen hierbei nicht nur fachliche Fähigkeiten, sondern auch unternehmerische Fähigkeiten, wie unternehmerisches Denken und Handeln. Generell gilt es zu sagen, dass Motive zur Handlungsbereitschaft personenindividuell sind und nach­folgend keine allgemeingültigen Aussagen, bzgl. Gründungsintentionen, getroffen werden können, sondern lediglich Trends, basierend auf bisherigen wissenschaftlichen Unter­suchungen und Analysen, aufgezeigt werden. 

Hintergründe:

Unter Chancengründer werden im Nachfolgenden diejenigen Unternehmensgründer ver­standen, welche aufgrund einer innovativen Geschäftsidee bzw. das Sehen einer Marktnische oder einer sonstigen persönlichen Überzeugung den Weg in die Selbstständigkeit wagen und nicht durch das soziale Umfeld bzw. die wirtschaftliche oder arbeitspolitische Situation in die Selbstständigkeit gezwungen werden (De 2005 S. 43-47). Die Gründe zur Selbstständigkeit sind hierbei vielfältig und lassen sich nicht allein auf eine innovative Geschäftsidee (z. B. Er­kennen von Trends) reduzieren (o. V.o. J). Nicht selten sind einfache Ideen ausschlaggebend für den Unternehmenserfolg und den Wandel von einer kleinen Firma in ein großes Unter­nehmen. Eines der wohl bekanntesten Beispiele dieser Art ist die Geschichte der eBay Inc. Der Legende nach entstand die eBay-Idee im Kopf des US-Amerikaners Pierre Omidyar, dessen Frau mit Leidenschaft PEZ Spender sammelte und den Wunsch äußerte, sich mit anderen Sammlern weltweit mittels Internet auszutauschen. Pierre Omidyar, studierter Informatiker, entwarf und implementierte daher eine Website, welche den Wunsch seiner Frau verwirklichte und erkannte das Potenzial, welches in Systemen dieser Art bestand. Daraufhin gründete er im September 1995 das Unternehmen unter dem damaligen Namen AuctionWeb, welches sich rasch vom C2C zu einem B2C Marktplatz entwickelte (Nissanoff 2006, S. 68). Weitere häufig genannte Gründe für eine Selbstständigkeit sind die größere Un­abhängigkeit und der Wunsch der Verwirklichung eigener Ideen und Visionen sowie unkon­ventionelle Lebensplanungen, welche sich mit einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis nur bedingt vereinbaren lassen. Auch eine flexible Zeiteinteilung, die Vereinbarung von Familie und Beruf sowie die Erzielung eines höheren Einkommens als in abhängiger Be­schäftigung können hierbei als ausschlaggebende Motive aufgeführt werden. Laut BGA (2007) wird eine selbstständige Tätigkeit oft nach vorheriger abhängiger Beschäftigung auf­genommen. Dies ist damit zu begründen, dass viele Gründer erst eine Vielzahl von Er­fahrungen sammeln und diese dann später in ein eigenes Projekt einbringen wollen (BGA 2007) sowie eine Arbeit in flachen Organisationshierarchien gewünscht wird. Neben diesen individuellen Faktoren gibt es auch zahlreiche Umweltweinflüsse, die sich auf die Ent­scheidung zur Selbstständigkeit auswirken (BGA 2007). Hierzu zählen zum einen das Fort­führen der Familientradition, aber auch die gesamte familiäre Einkommenssituation. So kann festgehalten werden, dass eine Entscheidung zur Gründung vor allem bei Frauen oft abhängig von der Beschäftigung bzw. Situation des Lebenspartners ist, da die berufliche und materielle Sicherheit hierbei im Vordergrund steht und die Gründungsneigung entsprechend der Höhe der finanziellen Absicherung steigt. Außerdem wurde eine determinierende Wirkung wissenschaft­lich nachgewiesen: So fällt es Nachkommen leichter zu gründen, wenn die Eltern­generation bereits selbstständig ist. Dies liegt vor allem in der allgemeinen, emotionalen und informativen Unterstützung seitens der Eltern aber auch in der Bereitstellung materieller Ressourcen (BGA 2007). Auch bildungspolitische Maßnahmen während Schule, Studium und Lehre haben einen hohen Einfluss bzgl. einer Gründungsentscheidung (Welter, Lage­mann 2003). Hierzu zählen allgemeine Programme der Berufswahlorientierung, aber auch Maßnahmen zur Förderung des unternehmerischen Denkens und Handelns sowie der Soft Skills (Selbstorganisation, Kommunikationsfähigkeit, Präsentationsfähigkeit) im Rahmen des Hochschulstudiums. Des Weiteren haben auch sozioökonomische-, kulturelle Rahmen­bedingungen und religiöse Hintergründe sowie die wirtschaftliche Situation einen großen Ein­fluss auf die Gründungsbereitschaft der freiwilligen Entrepreneure (Kulicke 1987, S. 105-109).