Botschaften mit Botschaften?!

Staatsrepräsentation per Architektur am Beispiel der indischen Botschaft Berlin

Als Berlin mit dem Hauptstadtentscheid im Jahr 1991 zur Hauptstadt Deutschlands gekürt wird, wird die Stadt erneut zum Ort staatlicher und nationaler Repräsentation. Doch nicht nur Deutschland, sondern auch andere Staaten nutzen die seltene Chance der Neuentstehung einer Hauptstadt zur Selbstdarstellung in Form von Botschaften. Vor allem Botschaftsneubauten bieten die Möglichkeit zur staatlichen Selbstinszenierung per Architektur und deren Installation im Hauptstadtraum.

Dass diese architektonischen Staatsrepräsentationen publikumswirksam sind, spiegelt sich im großen öffentlichen Interesse an Botschaften wider: Im Rahmen des stets gut besuchten alljährlichen All Nations Festivals öffnen rund 30 der 146 Berliner Botschaften ihre Türen, um einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen und für ihr Land zu werben.[1] Auf zahlreichen Stadtführungen können die „Visitenkarten der Länder[2], die „Berliner Internationale[3] oder die „inoffizielle internationale Bauausstellung[4] besichtigt werden.[5] Nicht zuletzt aktuelle Veröffentlichungen jenseits üblicher touristischer Informationsliteratur spiegeln das große Interesse an Botschaftsgebäuden wider.[6]

In den Fokus wissenschaftlichen Interesses geraten Botschaften weitaus seltener. In der Architektur und Kunstgeschichte werden Botschaften als Repräsentationsbauten in den Blick genommen. Im Vordergrund stehen dabei häufig einzelfallbezogene Beschreibungen der architektonischen Gestaltung sowie Aufarbeitungen der Gebäudegeschichte[7]. Englert und Tietz legen 2003 eine nahezu alle Berliner Botschaften umfassende Darstellung vor und bieten damit erstmalig systematische Beschreibungen und Abbildungen der bestehenden Botschaftsgebäude. Eine programmatische Veröffentlichung zum Baugenre Botschaft, die die vielfältigen Aspekte dieser Staatsrepräsentationen behandelte, existiert bislang jedoch noch nicht. Die Stadtethnologie interpretiert urbane Räume als symbolische Landschaften, in denen Botschaften ein Element der hauptstädtischen Inszenierung darstellen. In diesem Kontext beleuchten Binder und Deuber-Mankowsky[8] unterschiedliche Perspektiven staatlicher Repräsentation als Beiträge zur symbolischen Textur des urbanen Hauptstadtraumes Berlin.

Der vorliegende Beitrag wiederum betrachtet Botschaftsbauten vor dem (disziplinären) Hintergrund der deutschsprachigen Neuen Kulturgeographie, die sich in Folge der kulturtheoretische Wende – neben anderem – mit Raumbildern auseinandersetzt.[9] Botschaftsgebäude werden dabei als idealisierte Staats- und Länderrepräsentationen bzw. -bilder verstanden, die mittels Architektur hergestellt werden und die – ‚übersetzt’ in Materialität – im hauptstädtischen Raum von Passantinnen und Passanten wahrgenommen und interpretiert werden (können).

Dieser Perspektive implizit ist eine Beschäftigung mit zwei Seiten von Botschaftsarchitektur: die architektonische Produktion von Staats- bzw. Länderbildern[10] und deren Rezeption. Hinsichtlich der Produktion von Länderbildern gilt es, zweierlei zu eruieren: zum einen, welche Vorgaben die Bauherren, Regierungen also, bezüglich ihrer Länderrepräsentation formulieren sowie welche Strategien sie zu deren Umsetzung in Architektur ergreifen, und zum anderen, auf welche Weise die beauftragten Architekten diese Regierungsvorgaben interpretieren und in Architektur und Materialien ‚übersetzen’. Hinsichtlich der Rezeption von Botschaftsgebäuden steht deren Wirkung im Straßenraum, wie sie von Passanten und Passantinnen wahrgenommen werden kann, im Vordergrund. Eine Gegenüberstellung der Produktions- und Rezeptionsseite des Länderbildes Botschaft zeigt, ob und auf welche Weise die jeweilige Botschaft der Botschaft ankommt.

Am Beispiel des Botschaftsneubaus der Republik Indien wird nachvollzogen, auf welche Weise Architektur zur Herstellung eines Länderbildes eingesetzt wird und wie die ‚architektonische Manifestation’ des indischen Länderbildes wahrgenommen und interpretiert wird.


1. Botschaften als Staatrepräsentanzen und Staatrepräsentationen

Botschaften sind Repräsentationsarchitektur im Wortsinn: Nach dem Wiener Übereinkommen über Diplomatische Beziehungen haben Botschaften die Aufgabe, die ständige diplomatische Vertretung eines Entsendestaates in einem Empfangsstaat unter der Leitung eines Botschafters zu beherbergen. Ein Botschafter ist der persönliche Vertreter des Staatsoberhauptes des Entsendestaates mit besonderen Ehrenrechten.[11] Damit stellen Botschaften die ‚bauliche Hülle’ der ranghöchsten Form ständiger Präsenz und Repräsentation eines Staates in einem anderen Staat dar. Diese Funktion einer Staatsrepräsentanz ist auch im Raumprogramm von Botschaften ‚ablesbar’: Botschaften sind Behördenunterkünfte, die sehr komplexen Ansprüchen unterschiedlicher Diskretions- und Sicherheitsstufen genügen müssen.[12] So ist in einer Botschaftskanzlei nicht nur das Büro des Botschafters untergebracht, sondern auch verschiedene Abteilungen wie beispielsweise Wirtschaft und Handel, Bildung und Kultur, Militär, Wissenschaft und Technologie, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu kommen üblicherweise Einrichtungen wie eine Bibliothek, ein Multifunktions- oder Konferenzraum, evtl. eine Küche oder Räume für Ausstellungen. Darüber hinaus muss in Botschaften – vor allem im Zusammenhang mit Konsulaten – auf effiziente Weise erheblicher Publikumsverkehr abgewickelt werden können.[13]

Nicht zuletzt ein neues Verständnis von Diplomatie – die so genannte Public Diplomacy – verweist jedoch auf die wichtige Rolle, die Botschafts(neu)bauten bei der Staatsrepräsentation zukommt: Vor dem Hintergrund aktueller Globalisierungs- und Transformationsprozesse hat sich das Geschäft der Diplomatie grundlegend verändert: Das klassisch-diplomatische Aufgabenfeld von Berichten, Verhandeln und Repräsentieren reduzierte sich nahezu ausschließlich auf die Repräsentation eines Staates. Gleichzeitig hat sich auch die Art des Repräsentierens – u. a. aufgrund des verschärften weltweiten Wettbewerbs von Staaten sowie technischer Neuerungen im Bereich der Massenmedien - stark gewandelt.[14] Resultat dieser Entwicklungen ist das Konzept von Public Diplomacy, unter dem – stark vereinfacht formuliert – die Anwendung professioneller und häufig auch massenmedialer Vermarktungsstrategien aus der Werbebranche zur Erzeugung von Sympathien, Interesse und Verständnis für den je eigenen Staat zu verstehen ist.[15] Zielgruppen von Public Diplomacy sind – in Abgrenzung zur klassischen Diplomatie – nicht mehr nur Vertreter aus Politik und Wirtschaft, sondern vielmehr die breite Öffentlichkeit. Insofern setzt Public Diplomacy als neue Art der Staatsrepräsentation in Form professionellen Staats- und Ländermarketings deutliche Zeichen. Ein Weg, solche deutlichen und gut sichtbaren Zeichen mit hoher Bestandsdauer und ebensolchem Wirkungsgrad zu setzen, ist der Einsatz von Architektur und das Ausstattungsdesign von Gebäuden. Neben Internationalen Weltausstellungen, die auch als „Plattform der kompetitiven staatlichen Imagebildung und des ‚corporate design’[16] gesehen werden, stellen Botschaften und deren architektonische Gestaltung eine prominente Möglichkeit der Selbstinszenierung und Produktion eines Staats- und Länderbildes dar. Vor allem Botschaftsneubauten bieten dafür maximales Potential.

Botschaften sind also nicht nur Behördenunterkünfte, sondern können als komplexe Staatsrepräsentationen in Architektur und Material verstanden werden, die im Feld der Politischen Architektur eine besondere Stellung einnehmen. Unter Politischer Architektur wird hier – in Anlehnung an Warnke[17] und in zugegeben starker Vereinfachung und Zuspitzung – Bedeutungsarchitektur verstanden, die im Dienste von Machthabenden (einerlei, ob Monarchien, Diktaturen oder Demokratien) zur öffentlichkeitswirksamen Vermittlung politischer und gesellschaftlicher Bedeutungen bzw. Bedeutsamkeiten dient. Warnke unterscheidet dabei u. a. zwischen Herrschafts- und Gemeinschaftsarchitektur.[18] Bei der Untersuchung Politischer Architekturen können unterschiedliche Analyseebenen in den Blick genommen werden: gesamte Städte (z. B. Barockanlagen oder Stadtentwürfe wie Brasilia), einzelne Bauensembles (z. B. das Baugenre des Palastes oder Parlaments) oder aber bestimmte Bauformen und -bestandteile (z. B. Brücken, Säulen oder Kuppeln). Diese Analyseebenen können dabei einerseits anhand prominenter Beispiele innerhalb einer geschichtlichen Epoche bearbeitet werden, andererseits aber auch anhand der (Be-) Deutungsentwicklung im zeitgeschichtlichen Verlauf.

Das Baugenre Botschaft lässt sich nur schwer diesen Kategorien bzw. Analyseebenen zuordnen, sind seine politischen Aussagen doch äußerst vielschichtig und Teil komplexer Beziehungsgefüge, die von Bau zu Bau (selbst eines einzigen Entsendestaates) variieren können. Denn einerseits sollen Botschaftsgebäude – in Abhängigkeit von den historischen, politischen und wirtschaftlichen Beziehungen des Entsendestaates zum jeweiligen Empfangsstaat – politische Botschaften übermitteln, die von freundschaftlicher Verbundenheit bis Reserviertheit reichen können. Dementsprechend wird ein architektonischer Ausdruck von Sympathie, Offenheit, Neutralität bzw. Distanzierung durch das jeweilige Botschaftsgebäude herzustellen versucht. Gleichzeitig verkörpern Botschaftsgebäude idealisierte Selbstdarstellungen von Staaten. So spielen Darstellungen des staatlichen Selbstverständnisses, die von ‚welt-mächtiger Omnipotenz’ bis zum bescheidenen Existenzbeweis reichen können, ebenfalls eine Rolle. Andererseits sind Botschaftsgebäude gleichzeitig als Staatswerbung im Sinne von Public Diplomacy wie auch als Identifikationsobjekte für Staatsangehörige des Entsendestaates zu sehen. Auch wenn dies eine untergeordnete Funktion haben mag, so sind doch positive ‚Werbeinhalte’ und Identifikationsmöglichkeiten, die über Flagge und Wappen hinausgehen, anzubieten. So stehen Botschaften in dem Spannungsfeld, evtl. gleichzeitig Macht- und Gemeinschaftsarchitektur sein zu ‚müssen’.

Dies wird von einer weiteren Aussagenebene überlagert, die vor allem bei Botschaftsneubauten zum Tragen kommt: Je nach Architektursprache eines Botschaftsgebäudes müssen unterschiedliche Interpretationsschemata angelegt werden. Die Botschaft eines Botschaftsgebäudes, das in den Architektur- und Materialtraditionen des Entsendestaates errichtet ist, mag zwar auch vor dem Hintergrund der Architektur- und Materialtraditionen des Empfangsstaates zu entschlüsseln sein. Es ist jedoch – in Abhängigkeit von gemeinsamen kulturellen Kontexten des Entsende- und Empfangsstaates – möglich, dass nur einen Teil der politischen Konnotationen des Gebäudes gelesen werden kann.[19] Gegebenenfalls bedarf die Analyse von Botschaftsgebäuden also einer Einarbeitung in architektonische und materiale Repräsentationssysteme des Entsendestaates.

So kann also auch die Wahl der entwerfenden Architekten eines Botschaftsgebäudes Einfluss auf den Grad der ‚kulturellen Übersetzung’ und Lesbarkeit eines Botschaftsgebäudes haben: Die Wahl eines Architekturbüros aus dem Empfangsstaat trägt möglicherweise durch das gemeinsame soziokulturelle und architektursprachliche Bezugssystem von Botschaftsentwerfenden und –entschlüsselnden zu einer deutlicheren Lesbarkeit der Botschaft bei. Die Realisierung eines weniger empfangsstaatlich kontextualisierten Botschaftsgebäudes wiederum kann jedoch als selbstbewusste Demonstration des Selbstverständnisses des Entsendestaates auch Programm sein.
Darüber hinaus spielt bei Botschaftsbauten die Wahl der verwendeten Materialien eine besondere Rolle. Im Zusammenhang mit material-ikonographischen Überlegungen weist Raff auf die topographische Verweisfunktion von Materialien hin.[20] So kann es bei der materiellen Gestaltung von Botschaftsgebäuden ein Ansinnen sein, den Natur- und ‚Kulturraum’ des jeweiligen Landes über seine Materialien, ihre Gestaltung, Anordnung und ggf. auch über ihre spezifische Bearbeitung zu repräsentieren.[21] Dabei sind ‚landestypische’ Materialien hier wesentlich mehr sind als nur Fassade: Sie verkörpern ein Land in seiner Materialität und stellen – im Falle von Botschaften – ‚das Land selbst’ dar. Nationale Repräsentation ist also mit der programmatischen Verwendung ‚landestypischer’ Materialien aufs Engste verbunden. Entsprechend sind Materialien und die ihnen zugeschriebenen Bedeutungen in der Analyse von Botschaftsbauten zu berücksichtigen.

Schon diese kurze Darstellung verdeutlicht die hohe Komplexität des (architektonischen) Repräsentationssystems Botschaft und mag erklären, weshalb das Baugenre Botschaft in Politischer Architektur bisher kaum Berücksichtigung fand.[22] Gleichzeitig wird deutlich, dass die Analyse eines Botschafts(neu)baus als Staats- und Länderrepräsentation auch eine Analyse seiner Produktionszusammenhänge umfassen muss. In den Blick zu nehmen sind also auch: der Bauherr, also der Entsendestaat, seine wirtschaftlich-politische Verfasstheit und seine Beziehungen zum Empfangsstaat, die intendierte Botschaft des Botschaftsbaus, die Strategie(n) des Entsendestaates, die intendierte Botschaft per Architektur zu kommunizieren wie z. B. die Ausschreibung eines Wettbewerbs oder Direktvergabe des Auftrages, die Wettbewerbsbedingungen wie inter- oder national, offen oder geschlossen sowie die letztendliche Auswahl des zu realisierenden Entwurfes.[23] Nur mit Hilfe dieser Informationen ist es möglich, die architektonische Produktion einer Staatsrepräsentation in Form eines Botschafts(neu)baus nachzuzeichnen.

2. Repräsentationstheoretische Hintergründe Theoretischer Hintergrund der analytischen Annäherung an das komplexe Repräsentationssystem Botschaft sind zeichen- bzw. repräsentationstheoretische Überlegungen, die sich mit den Prozessen der Herstellung und des Wandels von Bedeutungen auseinandersetzen. Basierend auf dem linguistischen Paradigma des Sprachwissenschaftlers Ferdinand de Saussures bzw. dessen Weiterentwicklung und Anwendung auf nicht-sprachliche Zeichen und Texte durch den Literaturwissenschaftler Roland Barthes steht Folgendes im Zentrum: Ein Zeichen – sprachlich oder nicht-sprachlich – besteht stets aus zwei Teilen, die wie die Vorder- und Rückseite eines Blattes Papier untrennbar miteinander verbunden sind: einem Bezeichneten (oder Signifikat) – die Vorstellungen, die man von einem Gegenstand, einer Person oder einer Idee etc. hat – und einem Bezeichnenden (oder Signifikant, dem materiellen Gegenstück des Bezeichneten wie gesprochene oder geschriebene Worte oder Gegenstände.[24] Erst die verbindliche Zuordnung von Bezeichnetem und Bezeichnendem zueinander, die auf gesellschaftlichen Konventionen beruht, ermöglicht Verständigung und Kommunikation. Ein Zeichen verfügt weiterhin über eine Denotation und eine Konnotation: Während das untrennbare Bestehen eines Zeichens aus Bezeichnetem und Bezeichnendem mit Denotation benannt wird, bezeichnet die Konnotation weitere Bedeutungen eines Zeichens, die gemeinhin als symbolische, metaphorische oder allegorische Ebene bezeichnet werden. Dieses Bedeutungsplus eines Zeichens ergibt sich im Rahmen seiner jeweiligen Verwendungszusammenhänge, in denen das Zeichen Anwendung und symbolische Aufladungen erfährt.[25] Eco überträgt dies – neben anderen – Anfang der 1970er Jahre auf Architektur und ermöglicht mit seiner Architektursemiotik eine Annäherung an das Verstehen und ‚Lesen’ von Architektur als komplexes Zeichen- oder Repräsentationssystem. Nach Eco verfügen auch Gebäude, städtebauliche Anlagen oder andere architektonische Zeichen über Denotationen und Konnotationen, die er als primäre bzw. sekundäre Funktionen bezeichnet. Die primäre Funktion offenbart den unmittelbaren Nutzen eines Gebäudes und ist darin meist sehr eindeutig lesbar. Die sekundäre Funktion eines Gebäudes stellt den symbolischen oder metaphorischen Gehalt eines Gebäudes dar, der das Verständnis der ‚beherbergten’ Funktion kommuniziert. Die ‚Lesbarkeit’ und das Verstehen dieser konnotativen Gehalte von Architektur ist dann gegeben, wenn Sendende und Empfangende von architektonischen Botschaften die gleiche – gesellschaftliche vermittelte – Architektursprache sprechen. Auch Konnotationen architektonischer Zeichen sind nicht dauerhaft fixiert, sondern unterliegen zeitlichen und gesellschaftlichen Veränderungsprozessen und Neuinterpretierungen.[26] Architektursemiotische Ansätze, die z. T. sehr streng formalistische und strukturalistische Parallelisierungen von Sprache und Architektur betreiben, um auf diese Weise der architektonischen Bedeutungsproduktion in ihren Einzelheiten auf die Spur zu kommen, wurden jedoch auch kritisiert. So mahnt Harries:

We should be on guard before semiotic and structuralist approach to architecture. As Scruton maintains, they often offer little more than a jargon that obscures more than it reveals”.[27]


Deshalb schlägt er vor, Architektur mehr als bildhafte Repräsentation zu verstehen:

To speak of works of architecture as representations is to ascribe a pictorial function to architecture. To understand the representational character of a particular building, we have to understand just how it pictures, that is, the form of representation employed.”[28]


In diesem Sinne sei es beispielsweise

… not sufficient to ask what the Gothic cathedral represents. The questions on which our attention must focus are how the Gothic cathedral represents the vision of heaven”.[29]


Eine ähnliche Auffassung von Architektursemiotik, die stärker kulturtheoretisch beeinflusst und ausgerichtet scheint, vertritt Dreyer, wenn er von Ansätzen schreibt, die Architektur als Massenmedium begreifen:

Hierbei wird Architektur in eine Reihe mit Fernsehen, Film, Rundfunk, Internet, Presse, Sport, Werbung und Entertainment gehen [sic], die als Medien der gesellschaftlichen Kommunikation in der Massenkultur das öffentliche Bewusstsein prägen. Architektur verkörpert dabei ein nicht-sprachliches und manchmal multimediales Zeichensystem, das durch Verwendung plastischer, räumlicher und virtueller Bilder mehrdeutige Botschaften vermitteln, die große Mengen von Adressaten erreichen und im Rahmen der Massenkultur oft nivellierende und manipulierende Wirkungen entfalten“.[30]


Gerade für die Analyse von Botschaftsbauten als Staats- und Länderrepräsentationen erscheint dieser Ansatz sehr ergiebig.[31] Nicht zuletzt das Konzept von Public Diplomacy legt offen, dass für die Entschlüsselung von Botschaften als nationale Werbearchitektur semiotische Analysen architektonischer (Einzel)Formen und ihrer Bedeutungsgehalte nicht ausreichend bzw. gewinnbringend sind. Im Zentrum steht vielmehr - wie bereits dargestellt – die umfassende Analyse der Produktionszusammenhänge und Strategien der Staats- und Länderbilderkonstruktion, die in der Realisierung eines architektonischen Entwurfes gipfeln. Nur so kann die Bedeutungskonstruktion, die der architektonischen Selbstinszenierung von Staaten in Form von Botschafts(neu)bauten zugrunde liegt, offen gelegt werden.

Anmerkungen:  

[1] Vgl. http://www.allnationsfestival.de/, Auswärtiges Amt 2007. Interessant ist dabei, welche Länder Einblicke ins Innenleben ihrer Botschaft gewähren.

[2] Berlin Erkundungen 2007, o. S.

[3] Tourguide Berlin – Alles über Berlin 2007, o. S.

[4] Hotze, Hoepner-Fillies 2005, o. S.

[5] Vgl. z.B. auch Art: Berlin 2007, Berlin. Starting Point 2007, Ticket B – Stadtführungen von Architekten in Berlin 2007.

[6] Vgl. beispielsweise Bolk 2003, Englert, Tietz 2003, Freytag, Philipps 2006, Redecke, Stern 1997.

[7] Vgl. z.B. Redecke, Stern 1997 oder Schäche 1984.

[8] Vgl. Binder, Deuber-Mankowsky 2004.

[9] Der Beitrag basiert auf der Dissertation „Botschaften mit Botschaften. Zur Produktion von Länderbildern durch Berliner Botschaftsbauten. Ein Beitrag zu einer Neuen Länderkunde“ (vgl. Fleischmann 2005). Zur Einführung in die deutschsprachige Neue Kulturgeographie vgl. Gebhardt, Reuber, Wolkersdorfer 2003, für Einzelfallstudien zu Raumbildern vgl. z. B. Bollhöfer 2007, Fleischmann, Strüver, Trostorff 2004, Flitner 1999, Lossau 2002, Strüver 2005 oder Wucherpfennig 2006.

[10] Wenn im Folgenden von Länderbildern und –repräsentationen die Rede ist, so umfasst der Begriff Land dabei nicht nur den Natur- und Kulturraum, sondern auch dessen politische und staatliche Verfasstheit.