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Vergleichsstandorte


Vergleichsflächen sind Standorte, die sich bei unterschiedlichen Ausgangsbedingungen in initialen Entwicklungsstadien befinden. Anhand von Vergleichsstandorten soll überprüft werden, ob bestimmte bei der Entwicklung des Untersuchungsgebietes erkannte Prozesse und Strukturen tatsächlich als charakteristisch für die initiale Entwicklungsphase ausgewiesen werden können. Die Untersuchung unter anderen standörtlichen Gegebenheiten soll dazu beitragen, standortspezifische Prozessabläufe und Strukturentwicklungen zu differenzieren. Daneben können detailliert dokumentierte Standorte zur Überprüfung eines am künstlichen Hühnerwasser-Einzugsgebiet optimierten Niederschlag-Abfluss Modells unter abweichenden Randbedingungen im Sinne einer Validierung dienen. Die Vergleichsstandorte können auch im Sinne von Chronosequenzen ausgewählt werden, um den zeitlichen Entwicklungsverlauf besser abbilden, verstehen und schließlich vorhersagen zu können. Beispiele für Vergleichsstandorte, die im Rahmen des SFB/TRR genutzt werden sollen, sind Binnendünen, Gletscherrückzugsgebiete sowie Bergbaustandorte.

In Brandenburg finden sich zahlreiche Binnendünenstandorte, deren Entwicklung teilweise bereits im Pleistozän begann, jedoch zum Teil bis in die Gegenwart andauert. Zahlreiche Binnendünenstandorte im südlichen Brandenburg gehen auf mittelalterliche Besiedlungsphasen zurück, die häufig mit verstärkten Abtragungs- und Akkumulationsvorgängen gekoppelt sind. Unter Waldbedeckung lassen sich entsprechende fossile Bodenprofile unter Sandüberwehungen und teilweise mächtigen Sanddünen häufig finden. Weiterhin finden sich auf ehemals militärisch genutzten Flächen rezente aktive Sandverlagerungserscheinungen. So existieren in der Nähe von Cottbus und Jüterbog großflächig nahezu vegetationsfreie Sandgebiete mit aktivem windgesteuertem Materialtransport an der Oberfläche. Brandenburg verfügt in diesen Bereichen noch über aktive Wanderdünen. Diese Standorte eignen sich gut als Vergleichsstandorte für die Fragestellungen des SFB/TRR, da hier unterschiedlich alte Phasen der Ökosystementwicklung beginnend mit einem gut definierbaren Nullpunkt studiert werden können. Die Dünenstandorte sind durch das Brandenburgische Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe dokumentiert, so dass Hintergrundinformationen zu Alter oder früheren Landnutzungstypen verfügbar sind. Weiterhin kann auf die Erfahrungen des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum zurückgegriffen werden, das v.a. im Vorfeld der Lausitzer Braunkohlentagebaue zahlreiche Datierungen von neolithischen und mittelalterlichen Sandüberwehungsphasen anhand von archäologischen Funden und Befunden durchgeführt hat.

In den Schweizer Alpen untersucht die ETH Zürich seit mehreren Jahren im Vorfeld des Dammagletschers (Kanton Uri, Gemeinde Göschenen) die initiale Entwicklung von Ökosystemen. Es bestehen instrumentierte Untersuchungsflächen für Monitoring- und Prozessstudien. Der Dammagletscher befindet sich seit einigen Jahrzehnten in einer Rückzugsphase, so dass kontinuierlich auf frisch vom Gletschereis befreiten Flächen die Entwicklung von Bodenstrukturen und der Vegetation untersucht werden kann. Durch die kontinuierlichen Abschmelzvorgänge kann hier der Chronosequenzansatz sehr erfolgreich angewendet werden. Die ältesten Vergleichsflächen im Vorfeld des Dammagletschers unterliegen inzwischen einer 70-jährigen Entwicklung. Es liegen entsprechende umfangreiche Ergebnisse vornehmlich aus dem Bereich der Bodenbiologie vor. Es wurde die Besiedlung der entstehenden Böden mit Mikroorganismen betrachtet, wobei die Frage nach limitierenden Faktoren während der Initialphase im Vordergrund stand. Weiterhin wurden Studien zu Interaktionen zwischen der sich etablierenden Pioniervegetation und der Besiedlung mit Mikroorganismen untersucht. Es ist vorgesehen, diese gut dokumentierten Untersuchungsstandorte als Vergleichsstandorte in den SFB/TRR einzubeziehen, um das Auftreten und Wirken von Prozessen der initialen Ökosystemgenese auch bei deutlich abweichenden klimatischen Verhältnissen zu überprüfen. Bäche in den Gletscherrückzugsgebieten werden ebenfalls als Vergleichflächen für das Fließgewässerprojekt herangezogen.

Für spätere Projektphasen ist vorgesehen, die Untersuchungen auch auf Initialstandorte außerhalb von Mitteleuropa auszudehnen. So bestehen bereits Kontakte zu Forschungseinrichtungen auf Hawaii, wo vulkanisch geprägte Standorte unterschiedlichen Entstehungsalters in die Untersuchungen einbezogen werden können.