Volker Dienst
Wien


„Wer lästig ist lenkt!“

Von Copy Paste, Klinkenpolieren und anderen Annäherungen an die Politik.
Strategien und Aktivitäten der Österreichischen Plattform für Architekturpolitik und Baukultur.


In den Programmen der politischen Parteien sucht man Begriffe wie „Architektur“ bzw. „Baukultur“ vergeblich – sie kommen nicht vor. In Österreich sind Planung und Bauwesen aus der Bundesverwaltung ausgelagert und an kommerziell orientierte Unternehmungen delegiert. Der verbliebene Rest ist ohne ressortübergreifende Koordination in Abteilungen wie z. B. „Tourismus und historische Objekte“ oder zwischen Design und Mode angesiedelt. Kompetente AnsprechpartnerInnen kommen zunehmend abhanden. In Zeiten knapper Budgets wird Architektur zum verzichtbaren Luxus. Kein Wunder also, dass es um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die gesellschaftliche Anerkennung von Planerinnen schlecht bestellt ist.

Anlässlich der Nationalratswahl 2002 haben sich in Österreich die wesentlichen Institutionen aus Architekturvermittlung, Ausbildung und Forschung, sowie Berufs- und Interessensvertretungen zur „Plattform für Architekturpolitik und Baukultur“ [www.architekturpolitik.at] zusammen geschlossen um gemeinsam für die Verankerung einer umfassenden Baukultur in der Politik auf nationaler und kommunaler Ebene einzutreten.
Ziel ist dabei, insbesondere bei politischen EntscheidungsträgerInnen ein Bewusstsein für die baukulturelle Verantwortung zu schaffen und das Verständnis für zeitgenössische Architektur und Baukultur zu fördern.

Eine Legislaturperiode und eine Unzahl an Gesprächen später konnte unter anderem eine parlamentarische Enquete, ein einstimmiger Entschließungsantrag des Nationalrates, sowie die Beauftragung eines nationalen Baukulturreports erreicht werden. Auch im Rahmen der EU-Präsidentschaft konnte Baukultur thematisiert werden. Wesentlich entscheidender ist aber das Netzwerk das zwischen den einzelnen Organisationen innerhalb der Plattform aufgebaut werden konnte, sowie der Dialog mit einer Vielzahl an EntscheidungsträgerInnen. Der Vortrag hinterleuchtet mit welchen Aktionen und Strategien die vorgenommenen Ziele trotz geringem Budget erreicht werden konnten und bietet einen Überblick über jene Maßnahmen, die für die Umsetzung einer engagierten Architekturpolitik vorgeschlagen werden.

Es geht um die Frage, welchen Zweck Architekturvermittlung – bzw. weiter gefasst die Vermittlung von Baukultur – verfolgt. Aus den unterschiedlichen Aspekten soll dabei insbesondere jener beleuchtet werden, der Kenntnisse über Architektur und Umweltplanung als grundlegende Fähigkeit jeder Bürgerin / jedes Bürgers begreift.

Neben der Architekturvermittlung an EntscheidungsträgerInnen (top down) ist die Vermittlung von Kenntnissen an einen breiten Kreis von Laien (bottom-up) eine zentrale Aufgabe.
Jede/r wohnt, jede/r bewegt sich in gestalteten Räumen, und daher muss es auch Teil der Bildung sein, die Menschen auf ihre Verantwortung gegenüber der gestalteten Umwelt vorzubereiten. Nicht nur als Teil der musischen Erziehung, sondern im Sinne einer umfassenden Staatsbürgerkunde.

Denn ‚
Das Erkennen von Architektur will gelernt sein!’ Es geht darum, die Menschen sehfähig, sprachfähig und damit entscheidungsfähig zu machen und aufzuzeigen, dass Raum Wirkung hat.

Ziel ist es, das Verständnis für Architektur und Baukultur auf breiter Basis zu stärken und
Gestaltungsqualität – die Alltagsqualität von guter Architektur ‑ auch außerhalb von Expertenkreisen bewusst zu machen. Ziel sind BürgerInnen, die ein Mehr von Häusern und Plätzen fordern.