Tanja Simone Flemmig
Regensburg
Der Gestaltungsbeirat, ein
Instrument zur Belebung der Baukultur
Gebäude prägen ihre Umwelt über Jahrzehnte maßgeblich. Sie tragen dazu bei,
Straßen und Plätze attraktiv zu gestalten und zu beleben. Andererseits können
sie dem öffentlichen Raum aber auch jegliche Qualität nehmen. Vielerorts kann
man heute erleben, dass gebaut wird, wo gerade Geld und Platz vorhanden sind.
Die spezifischen Eigenheiten des Ortes und der Umgebung fließen nicht in den
Entwurfsprozess ein und auf eine gute Gestaltung wird kaum Wert gelegt.
Langfristig wird sich diese Vorgehensweise sicher nicht „auszahlen“.
Durch die zunehmenden Strukturveränderungen in den Städten und den damit
verbundenen stärkeren Wettbewerb der Städte untereinander wird eine
Qualitätssicherung in Architektur und Städtebau immer wichtiger. Sie trägt
entscheidend dazu bei, eine Stadt als Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsstandort
attraktiv und konkurrenzfähig zu gestalten.
Die Stadt Regensburg setzt seit Jahren auf eine Qualitätssicherung, die sich
nicht nur auf das historische Juwel Altstadt beschränkt. Ein wichtiges
Instrument dabei ist der Gestaltungsbeirat. Er hat maßgeblich dazu beigetragen,
dass Bauen in Regensburg wieder öffentlich und das Thema Baukultur als wichtiger
Standortfaktor erkannt wurde.
Der Gestaltungsbeirat berät alle zwei Monte städtebaulich bedeutende Vorhaben im
Stadtgebiet. Die Projekte reichen von städtebaulichen Planungen einzelner
Wohnquartiere über so genannte Zweckbauten (LIDL, ALDI etc.) bis zum
Einfamilienwohnhaus. Durch die Öffentlichkeit der Sitzungen und die ausführliche
Berichterstattung in den Medien ist die Bevölkerung stärker in das örtliche
Baugeschehen eingebunden. Dadurch hat sich eine rege Diskussionskultur
entwickelt. Über Architektur wird wieder geredet!
Viele Investoren haben bereits erkannt, dass sich eine gute Gestaltung in jeder
Hinsicht auszahlt. Sie werben damit, dass ihr Vorhaben im Gestaltungsbeirat
positiv beraten wurde. Sicher werden nicht alle im Beirat behandelten Projekte
einen Architekturpreis bekommen. Ziel ist jedoch, langfristig allen Bauwilligen
zu vermitteln, dass ein Gebäude nicht nur aus vier Wänden und einem Dach
besteht. Das „Mehr“ macht die Architektur aus und ist sicher eine Investition in
die Zukunft, die sich lohnt!