Julian Petrin
Hamburg
Stadt entsteht im Kopf.
Von der Raumkommunikation zur "Immateriellen Raumproduktion"
Gerade bei langfristigen und offenen Stadtentwicklungsprozessen, die in
sichtbarem Maße in die “Mental Maps” der Stadt eingreifen, müssen Planer sich
der immateriellen Ebene des Raumes zuwenden, der Ebene der wahrgenommenen Stadt.
Planer sind dabei nicht länger Auftragsempfänger, sondern arbeiten wie
Marktforscher, versuchen Themen zu setzen, latente Stadtwünsche zu wecken,
Widerspruch zu provozieren. Sie schreiben das Drehbuch für die Stadt, lange
bevor der Film der Raumproduktion laufen wird.
Das öffentliche Kommunizieren über Architektur, Stadt und raumrelevante Themen
ist weit mehr als nur Vermittlung, Aufklärung oder Kommentierung.
Raumkommunikation kann konstituierend für Stadtentwicklungsprozesse sein, denn
sie lenkt maßgeblich die Wahrnehmung von Raum. Die Stadt entsteht gewissermaßen
im Kopf - zum einen durch direkte Erfahrung, aber heute mehr denn je auch durch
mediale Konstruktionsprozesse, die den Weg durch das "materielle Substrat" des
Raums (Dieter Läpple, 1992) vorstrukturieren.
Neben die “materielle Raumproduktion” - das Errichten der "räumlichen Hardware"
- tritt die "immaterielle Raumproduktion", die gezielte "Synthese" von Raum
(Martina Löw, 2001). Diese "Programmierung" des materiellen Substrats ist ein
Prozess, der bisher weitgehend außerhalb der Reichweite klassischer
Planungskommunikation stattfindet - siehe die selbstverstärkende mediale
Stigmatisierung bestimmter sozialer Brennpunkte wie Berlin-Neukölln oder
Hamburg-Wilhelmsburg, die sich inzwischen in einer Art "Wahrnehmungsspirale"
befinden.
Planer müssen sich stärker als bisher in die Prozesse der "immateriellen
Raumproduktion" einmischen und mit Hilfe medialer Techniken und Interventionen
versuchen, stimulierend auf Stadtentwicklungsprozesse einzuwirken,
Wahrnehmungsspiralen zu durchbrechen und nicht wahrgenommene räumliche
Möglichkeiten lesbar zu machen.
Ich möchte in meinem Vortrag - ausgehend von der Frage, welche Bedeutung
Raumkommunikation heute hat - zunächst ein Modell der Dualität von materiellem
und immateriellem Raum und seine theoretischen Bezüge erläutern sowie die
"Raumstimulation" als gezieltes Intervenieren auf der Ebene der "immateriellen
Raumproduktion" vorstellen. Anhand einiger Beispiele - auch aus der eigenen
Arbeit - möchte ich meine Thesen illustrieren.