Constanze A. Petrow
Weimar
Zwischen Huldigung und
Trivialisierung: Zur Unterschiedlichkeit der Berichterstattung über Architektur
und Landschaftsarchitektur in der Publikumspresse
Architektur und Landschaftsarchitektur unterliegen in der Presse
unterschiedlichen Präsentationsprinzipien. Architektur wird auf die so genannte
„Stararchitektur“ reduziert. An die Stelle unabhängiger Kritiken treten vielfach
Huldigungen, weil der geschickten Medienlenkung des Architekten aufgesessen wird
oder die PR-Abteilungen der Büros sanktionierend Einfluss nehmen und weil die
Rezension nicht zuletzt auch ihr Licht auf den Autor werfen soll. Während
Architekturrezensionen überwiegend im Feuilleton platziert werden und damit
sowohl das Projekt-Spektrum stark eingeengt als auch das Gros der Leser von
Tageszeitungen verfehlt wird, wird Landschaftsarchitektur fast ausschließlich im
Lokalteil besprochen. Die Darstellung von Parks, Gärten und Plätzen erfolgt in
den Wahrnehmungskategorien von Laien und entbehrt einer fachlich fundierten,
kritischen Reflexion. Entwurfliche Intentionen und symbolische Gehalte des
gestalteten Freiraums werden nicht vermittelt, die Anbindung einer
interessierten Öffentlichkeit an die fachliche Diskussion nicht ermöglicht.
Landschaftsarchitektur ist in der Indifferenz allgemeiner Akzeptanz gefangen,
Architektur in ihrer medialen Reflexion dagegen bleibt elitär und ohne
Alltagsbezug. Weder die eine noch die andere Form der Berichterstattung wird
ihren möglichen Aufgaben gerecht.
Handelt es sich hierbei allein um eine Frage des Selbstverständnisses von
Fachjournalisten und des Mangels an unabhängigen und qualifizierten Autoren
seitens der Redaktionen - ein nicht steuerbares Phänomen, der Wissenschaft
unzugängliches Terrain? Oder wäre doch noch über jene Bedingungen zu streiten,
unter denen Landschaftsarchitektur- und Architekturkritik das „Verhältnis des
Menschen zu der ihn umgebenden Architektur von einem bloß perzeptiven zu einem
diskursiven Verhältnis“ (Klaus Jan Philipp) zu ändern vermag?