Claudia Schwalfenberg
Berlin
Der Baukünstler ist tot. Es lebe der Baukünstler?
Zur Professionalisierung der Architekturvermittlung
Gerhard Matzig hat kürzlich davor gewarnt, den Wandel des Berufsbilds
Architekt „weg vom autonomen Baukünstler – hin zum kommunizierenden, werbenden
Baumanager“ zu überziehen: „Erst muss der Architekt etwas haben, um es
,verkaufen’ zu können.“
Leiden wir inzwischen also schon an einem Zuviel an Architekturvermittlung
und einem zuwenig an Architekturinhalt? Und was heißt das für die
Professionalisierung der Architekturvermittlung?
1. Die Zukunft der Architekturvermittlung liegt nicht in Marketing statt
Baukultur. Verstärkte Anstrengungen der Architektenkammern, sich zu
Marketingagenturen für Architekten zu entwickeln, sind sinnvoll und richtig.
Architektenkammern sind und bleiben aber genauso gut Sachwalter der Baukultur.
2. Die Vermittlung von Architektur wird von zwei großen Gruppen getragen:
Architekturprofis (sprich Architekten) und Vermittlungsprofis (sprich Lehrern,
Journalisten, PR-Fachleuten etc.) Die Professionalisierung von
Architekturvermittlung muss deshalb in zwei Richtungen wirken: Wir brauchen eine
Professionalisierung von Architekten in puncto Vermittlung und eine
Professionalisierung von Vermittlern in puncto Architektur. Eine wesentliche
Aufgabe der Architekten ist es deshalb auch, Mitstreiter außerhalb der eigenen
Sphäre zu gewinnen.
3. Die Zukunft der Architekturvermittlung beginnt mit 0 und endet mit 99.
Unter dem Motto „Architektur macht Schule“ haben die Architektenkammern der
Länder und die Bundesarchitektenkammer in den vergangenen Jahren zahlreiche
Initiativen ergriffen, um Kindern und Jugendlichen einen Zugang zu
architektonischer Bildung zu ermöglichen. Das Thema „Architektur in der
frühkindlichen Bildung“ ist in Deutschland dagegen fast noch ein unbeschriebenes
Blatt. Wünschenswert wären außerdem ein verstärktes Engagement außerschulischer
Bildungsträger und altersspezifische Webangebote.