Jörg Seifert
Konstanz


Mind the gap – oder: Wie Architektur die Fernsehlandschaft erobern kann

Architektur ist zumindest im deutschsprachigen Fernsehen im Vergleich zu anderen Kulturbereichen weitgehend unterrepräsentiert. Im Gegensatz zu Musik, Kunst, Literatur und Theater haben selbst Kultur- und Bildungssender wie arte, 3sat oder Bayern alpha keine festen Sendeplätze für architekturspezifische Sendungen. Lediglich in unregelmäßigen Abständen werden Porträts bekannter Architekten und Dokumentationen über spektakuläre Gebäude ausgestrahlt. Diese Sendungen richten sich an einen kleinen Kreis kulturell hoch Interessierter. Die große Ausnahme bilden außergewöhnliche Ereignisse wie die Fußball-WM, in deren Rahmen auch über die entsprechenden Architekturen der Stadien berichtet wird.

Anders sieht es dagegen in Großbritannien aus. Mehr als fünf Jahre lang produzierte der Architekt Maxwell Hutchinson seine so genannten „Max Files“ – kurze, täglich ausgestrahlte Sendungen zu verschiedensten Gebäuden – vom Supermarkt bis zum Museum – sowie städtebaulichen Projekten in London. Huntchinson, der jetzt im Radio Architektur vermittelt, richtet sich stets ein breites Publikum, strebt einen hohen Unterhaltungswert an und bezieht die Zuschauer und Zuhörer über Onlineabstimmungen in die Gestaltung der Sendungen ein.

In der jüngsten Vergangenheit ist allerdings ein gesteigertes öffentliches Interesse an Wohnen, Inneneinrichtung und Lifestyle zu verzeichnen. Die Fernsehlandschaft hat auf diese Entwicklung reagiert: Das Arte Magazin chic präsentiert Architecture brute neben kultigen Tapeten, Geschichten zur Harley Davidson und
Kochen mit Jamie Oliver. Am deutlichsten wird dieser Trend jedoch an den zahlreichen neuen Doku- und Deko-Soaps der Privaten und Dritten rund ums Wohnen und Einrichten. Anliegen dieser Sendungen ist sicherlich nicht die Vermittlung von Architektur, aber auch hier finden sich punktuelle Elemente der Architekturpräsentation sowie eines Experten-Laien-Diskurses über Architektur.

Ziel des geplanten Beitrags ist es, Intentionen, Strukturen und Zielgruppen der verschiedenen Sendungen im breiten Spektrum zwischen high and low culture zu analysieren und das Potenzial des Fernsehens als breitenwirksamstem Medium für eine professionelle Architekturvermittlung zu nutzen.