Claus Dreyer
Detmold
Semiotische Aspekte der Architekturvermittlung
Architektur kann auf vielfache Weise in kommunikative Verhältnisse involviert
werden: als Kommunikationsmittel oder Medium, als „Übertragungs-Kanal“, als
Gebrauchsgegenstand, als Erinnerungsspeicher, als Ware, als Kunstwerk usw. Auf
jeweils besondere Art wird Architektur dabei als „Bedeutungsträger“ verstanden,
dessen Beschaffenheit und Funktion zu analysieren und zu bestimmen ist.
Der semiotische Ansatz in der Architekturtheorie versucht, die Zeichen oder
-komplexe, mit denen oder durch die Architektur Bedeutungen überträgt und
vermittelt ebenso zu beschreiben und zu interpretieren, wie die Zeichenprozesse,
in denen oder durch die über Architektur kommuniziert wird. Dazu liefert die
theoretische Semiotik begriffliche Werkzeuge, Methoden und Modelle, mit denen
die Eigenarten und Besonderheiten der architektonischen und architekturbezogenen
Kommunikation aufgeklärt und gedeutet werden können.
So sind z.B. Ansätze entwickelt worden, Architektur als Sprache, als Schrift,
als Text, als Rhetorik, als Propaganda oder als Massenmedium zu beschreiben und
zu analysieren. Dabei steht häufig die Frage nach Art und Beschaffenheit der
bildhaften, plastischen und räumlichen „Kodes“, ihrer historischen und aktuellen
Bezüge, ihrer interkulturellen Vernetzung und ihrer Rezipier- und
Interpretierbarkeit im Mittelpunkt. Eine Nähe zum historischen Stil-Begriff ist
dabei durchaus gegeben, die weitere Fragen nach den kulturellen Querbezügen und
sozialen Hintergründen aufwirft. Insbesondere die Kategorie der „symbolischen“
Zeichen in der Architektur erhält immer neue Relevanz im Zusammenhang mit
Prozessen der kulturellen, sozialen und politischen Selbstverständigung, die
gegenwärtig vor dem Hintergrund interkultureller Konflikte von erheblicher
Brisanz sind. Hierbei kann versucht werden, mit Hilfe der semiotischen Analyse
von Architektur als „Schriftform der Erinnerung“, als „Speicher des kulturellen
Gedächtnisses“ oder als „Medium der kulturellen Repräsentation“ einen klärenden
Beitrag zu leisten.
Der geplante Beitrag soll beispielhaft einige semiotische Wege und Methoden zur
Analyse der aktiven und passiven Architekturvermittlung zeigen und schließlich
an aktuellen Fallbeispielen Prozesse der Bedeutungskonstitution und
-transformation sowie deren Interpretierbarkeit demonstrieren und die
Möglichkeiten und Grenzen eines semiotischen Ansatzes in der
Architekturvermittlung ausloten.