Norbert Fiebig
Düsseldorf


Architekturvermittlung – Wege zu einem neuen Selbstverständnis

Begriff und Selbstverständnis der Architekturvermittlung sind heute immer noch stark geprägt von der Programmatik basisdemokratischen Denkens und Handelns – und stehen damit in Kontrast zu Selbstverständnis und Methodik modernen Marketings. Was im – gleichfalls basisdemokratischen – Bundestagswahlkampf der Parteien bereits selbstverständlich ist (z. B. der „spin doctor“), ist der Architekturvermittlung noch völlig fremd. Warum also so „verhalten“?

Architekturvermittlung muss sich künftig sehr viel stärker an „moderner“ Kommunikation orientieren, um sich im Meinungsmarkt durchsetzen zu können, um Herausforderungen und Handlungsdruck von Bund, Ländern, Städten und privaten Investoren (Schrumpfung, Leerstände, Privatisierung, PPP, Immobilienfonds etc.) entsprechen zu können. Architekturvermittlung muss in Zukunft professionelle, selbstbewusste, kreative, meinungsbildende und ergebnisorientierte Kommunikation mit spezifischen Zielgruppen sein.

Dieser erforderliche „Entwicklungsschritt“ wird nicht ohne Folgen bleiben: Für Ausbildung und Praxis heißt das: Es werden „Architekturvermittlungs-Spezialisten“ benötigt, die sich auch das Know-how von Kommunikationsagenturen (u. a. Markenbildung, Werbung, Public Relations) zu eigen machen; für die Forschung heißt das: Stärkere Fokussierung auf die Themen Markenbildung und Marketing (Sonja Beek u. a. haben erste Ansätze aufgezeigt); und für die Architektur selbst heißt das, dass sie damit – auch – Teil moderner Marketingstrategien werden wird (Beispiel: Allianz-Arena München): Brand-Architecture wird in der künftigen Markenbildung und -kommunikation von Unternehmen eine wesentlich größere Rolle spielen als heute. Spätestens damit wird sich die Architekturvermittlung als eigene Disziplin innerhalb der Kommunikationsbranche fest etablieren.