Jan R. Krause
Bochum
Erzählkunst und Kommunikationsstrategie
Plädoyer für ein Pflichtfach in
der Architekturausbildung
Der Architekt ist weit mehr als nur Dienstleister oder Baumeister, er
ist zugleich Manager, Moderator, Koordinator, Netzwerkexperte und Kommunikator.
Diese Dimension des Architektenberufes gilt es zu kultivieren und zu trainieren.
Und zwar bereits im Studium. Der Architekturstudent hat gelernt, klar zu
analysieren, scharf zu hinterfragen, konzeptionell zu denken, in Alternativen zu
entwerfen, ein Leitmotiv zu entwickeln und dies konsequent vom größten bis zum
kleinsten Detailmaßstab zu verfolgen, Ideen zu visualisieren und sie umzusetzen.
Aber er hat nie gelernt, sie zielgruppengerecht zu kommunizieren. Das „Architektensprech“
spröder Erläuterungstexte ist oft meilenweit vom Esprit der Entwürfe entfernt.
Mit ihren verbalen Äußerungen gelingt es den meisten Architekten nicht zu
verführen und zu überzeugen. Ihre teilweise raffinierte Bildsprache wiederum
erschließt sich zwar den Fachleuten, bleibt dem nicht Eingeweihten aber
unzugänglich. Die Hoffnung, ein gutes Gebäude oder eine starke Entwurfsidee
mögen für sich sprechen, erfüllt sich heute nicht mehr. Die Codes sind in einer
pluralistischen Welt nicht mehr eindeutig wie zu Zeiten, als es noch Epochen
prägende Stile gab, die alle Sparten des gesellschaftlichen und künstlerischen
Lebens durchzogen: als Architektur, Kunst, Musik, Literatur und Mode eine
stilistische Einheit bildeten und Gesten, Farben, Symbole, Proportionen eine
eindeutige Bedeutung hatten, die wie eine lebendige Sprache gelesen und
verstanden wurden. Deshalb müssen Architekten wieder lernen, über Architektur zu
reden, für Architektur zu begeistern, die ganze Komplexität ihrer Leistung
darzustellen und für die Qualitäten ihrer Architektur zu werben - und zwar vom
ersten Tag des Studiums.