Marion Kuzmany
Wien
Die Exkursion als abstraktes Produkt
Architektur begehen, langsam beschreiten, befühlen und das Verweilen am Ort ist
wohl die einzig wahre Form der Architekturvermittlung.
Im Folgenden möchte ich das Wesen und die Auswirkung von Architektur-Exkursionen
kurz beschreiben.
In der Konzeption, Organisation und Durchführung sind Exkursionen „haptischen“
etwa „Bau“-Projekten äußerst ähnlich. Der Entwurf entsteht auf einem Stück
Papier: Linien, Worte, Zahlen und Symbole werden zunächst in zaghaft geordneter,
zunehmend überlagernder Weise an- und übereinander gereiht, bis eine
funktionierende Komposition entsteht. Interessante Recherche, gefolgt von
zermürbender Knochenarbeit und Koordination aller teilnehmenden Individuen,
führt schlussendlich zum komplexen Produkt einer Exkursion. Dieses
n-dimensionale Konstrukt aus n Variablen vereint inhaltliche Qualität und
Wissensvermittlung, setzt architekturtheoretische sowie geografische Kenntnis,
terminliche Koordination und kulinarische Versorgung voraus und bedingt
spontanes Krisenmanagement bei flexibler Improvisation aller Komponenten aus
Schauplätzen, Orten, Teilnehmenden, Vortragenden, Führenden, chauffierenden,
Herberggebenden und Bewirtenden.
Exkursion ist ein sich ständig änderndes, eigendynamisches Gefüge aus Raum, Zeit
und Darstellern, das vordergründig von menschlichen Faktoren abhängt.
Was bleibt also schlussendlich von einer vollendeten, gut abgelaufenen Exkursion
zurück? Eindrucke und Stimmungen werden unterschiedlich rezipiert, bleiben als
Erinnerungen und können Ideen, Erkenntnisse Freundschaften und Beziehungen
entstehen lassen. Die Vergänglichkeit dieser Eindrücke und deren
Entstehungsgeschichte ist vielleicht mit der eines kunstvoll überlegten und
zubereiteten Essens zu vergleichen. Nachdem es aufgegessen wurde, bleibt nichts
Greifbares zurück. Dennoch haben die Personen, die daran teilgenommen haben,
etwas Besondere erfahren. Bei einer Exkursion haben sie Architektur erlebt.