Carsten Ruhl
Bochum
Die Vermittlung ist das Werk – Architektur als
ästhetischer Prozess (Arbeitstitel)
Die Frage nach der Zukunft der Architekturvermittlung als einer eigenständigen
Disziplin ist symptomatisch für die voranschreitende Ausdifferenzierung der
Wissenschaften. Viele der heute in den Architekturfakultäten vertretenden Fächer
wie Architekturgeschichte und Architekturtheorie verdanken sich diesem Prozess
und gehören nunmehr ganz selbstverständlich zum Curriculum jeder anspruchsvollen
Architektenausbildung. Dass dies für die Architekturvermittlung bisher nicht
galt, ist mit Blick auf die Geschichte des Faches einigermaßen kurios.
Spätestens seit der frühen Neuzeit ist der Architekt gezwungen, mit den
unterschiedlichsten Medien zu jonglieren, um seine Ideen und Konzepte auch für
Laien nachvollziehbar werden zu lassen. Unzählige Modelle,
Präsentationszeichnungen, Architekturgemälde, Traktate, Manifeste, Fotografien,
Animationen und Ausstellungen führen seitdem vor Augen, was das steinerne
Artefakt zu verschweigen scheint. Während die frühen Begründungsversuche
allerdings stets dem Gebauten untergeordnet bleiben, verselbständigt sich mit
der bürgerlichen Öffentlichkeit des 18. Jahrhunderts dessen Vermittlung. Sie ist
jetzt nicht mehr allein Sache des Architekten, der sich zunehmend als Künstler
begreift. Dilettierende Kritiker bereichern die Diskussion mit ihren oft
unkonventionellen Perspektiven auf das Fach und stellen alte Verbindlichkeiten
in Frage. Die Architektur wird somit erklärungsbedürftig und kann sich nicht
mehr allein durch den Rekurs auf metaphysische Sinnzusammenhänge legitimieren.
Ihre jeweilige Relevanz bedarf nun der rationalen Begründung und intellektuellen
Durchdringung. Voraussetzung hierzu ist die relative Autonomie der gewählten
Darstellungsmittel, die nicht mehr auf die Realisation eines bestimmten
Projektes, sondern auf die Vermittlung der theoretischen Haltung insgesamt
abzielt und somit zum eigenständigen Kunstwerk avanciert.
Mit Architekten wie Herzog & de Meuron wird jener hier nur kursorisch skizzierte
Prozess insofern konsequent zu Ende geführt, als nun der multimediale
Architekturdiskurs selbst zum ephemeren Kunstwerk erklärt wird, dass sich des
Museums, der öffentlichen Vermittlungsinstanz schlechthin, zu bedienen sucht.
Der Beitrag fragt nach der Symptomatik jenes Paradigmenwechsels und den sich
hieraus ergebenen Problemen und Fragestellungen für die Architekturvermittlung
als Disziplin.