06.07.2016 um 18:00

Daniela Friebel

Raum und Bild - Was bleibt?

"Was nimmt man wahr, wenn man einen Raum zum ersten Mal betritt? Vielleicht zuerst, fast unbewusst, den Geruch. Und die Temperatur. Dann den Boden unter den Füßen – wie fühlt er sich an? Man schaut sich um. Wie ist der Raum beschaffen? Welche Farbe haben die Wände? Gibt es Tapeten? Sind die Wände glatt oder rauh? Gibt es Nischen, Pfeiler? Wie viele Fenster? Wie ist er eingerichtet, wie wird er genutzt? Wenn man einen Raum betritt, betritt man zugleich ein Bild. Jeder Raum hat und ist sein eigenes Bild. Man kann in diesem Bild herumlaufen, es sich aus verschiedenen Blickwinkeln anschauen. Die Dinge verschieben sich in unserem Blick. In Wahrheit tun sie dies natürlich nicht – sie sind unbeweglich, sie sind da. Aber wir können uns bewegen, können einen Tisch mal vor, mal neben, mal hinter uns sehen, können eine Wand von der Seite, im Streiflicht betrachten oder uns frontal davorstellen. Wie stabil aber ist dieses Bild? Was passiert, wenn sich etwas verändert? Und was passiert mit uns, wenn die Dinge sich ändern? Wenn sie auf einmal nicht so sind wie vorher? Wenn wir sie auf einmal in einem anderen Licht sehen? Wenn der erste Eindruck nicht mehr zutrifft? Verändern vielleicht auch wir uns mit den Dingen im Raum, wenn wir sie anders sehen? Und was bleibt?" (Dorothea Ullrich) - Daniela Friebel ist Bildende Künstlerin und Fotografin aus Berlin. Ihre vorrangig ortsspezifischen Arbeiten verwenden Fototapete und Nylonfäden, sie thematisieren auf spielerisch-analytische Weise Illusion und Wahrnehmung und reflektieren die Konstruktion von Bildern und das fotografische Medium an sich. Ihre Arbeiten wurden in Deutschland und international ausgestellt. Sie waren Teil der vom Musée de l‘Elysée in Lausanne ausgerichteten internationalen Wanderausstellung "reGeneration2 - Tomorrows photographers today".